Auszug - Barrierefreier Einstieg an Bussen Anfrage der SPD-Fraktion des Ortsrates der Ortschaft Nord vom 09.08.2017 aus der Sitzung vom 29.08.2017

11. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ortsrates der Ortschaft Nord
TOP: Ö 5.4
Gremium: Ortsrat der Ortschaft Nord Beschlussart: Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung
Datum: Mi, 06.12.2017 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 17:34 - 18:56 Anlass: Sitzung
Raum: Ratssaal
Ort: Rathaus SZ-Lebenstedt
0967/17-AW Barrierefreier Einstieg an Bussen
Anfrage der SPD-Fraktion des Ortsrates der Ortschaft Nord vom 09.08.2017 aus der Sitzung vom 29.08.2017
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Beantwortung von Ortsratsanfragen
Federführend:66 - Fachdienst Tiefbau und Verkehr   
 
Beschluss

Frage 1:

Warum wurden beim Umbau der Bushaltestellen zu barrierefreien Einstiegen nicht Kasseler Bordsteine mit einer Höhe von 24 cm eingesetzt, um den Höhenunterschied so klein wie möglich zu halten? Dann würde der Abstand 2 cm betragen, also innerhalb der geforderten Norm.“

Einleitung Antwort der Verwaltung:

Die Verwaltung hat in der Angelegenheit „Barrierefreie Umgestaltung von Haltestellen“ Kontakt zu KVG und RBB aufgenommen.

Die KVG teilt einleitend folgendes mit:

a) Wir haben nachgefragt, welche Bordsteinhöhen hier in der Region bei anderen Verkehrsunternehmen und anderen Städten verbaut wurden. Nachfrage in SZ, BS, WOB, WF und HE. Ergebnis: Es wird der Kasseler Bordstein mit einer Höhe von 18 cm aktuell verbaut, in Ausnahmen ist noch der Stein mit 16 cm Höhe aus der Vergangenheit bei fertigen Haltestellen vorhanden.

b)  Unsere Erfahrung im Zusammenhang mit unseren Niederflurbussen hat immer wieder dazu geführt, dem 18-er Stein klar den Vorzug zu geben. Und so sind auch 18-er Höhen hier in SZ verbaut worden. Denn es kommt zu keinen Fahrzeugbeschädigungen beim Überstreichen des Bordes mit Vorder- oder Hinterwagen beim Ein- und Ausfahren der Haltestelle.

c)   Die Anlage und Rahmenbedingung der Haltestellen sind aber mit Kasseler Bord höchst unterschiedlich. Es gibt den Bord in Busbuchten, am Straßenrand mit davor und dahinter parkenden Fahrzeugen und im seltenen Fall als Kap-Anlage, die „sauber angefahren“ werden kann ohne Ein- und Auslenkung des Busses. Auch die ZOB-Anlage SZ-Lebenstedt mit seinem langen Bussteigkörper stellt eine Besonderheit für die Anfahrt des Kasseler Bordes dar.

d)   Eine weitere Rolle spielt im  Zusammenhang des Kasseler Bords der davor gefertigte Fahrbahnbelag. Betonpflaster / Verbundpflaster  und Asphalt-Decken neigen aufgrund der sich immer wiederholenden Brems- und Beschleunigungskräfte der Busse sowie der ständigen „Spurfahrt“ in Haltestellenbereichen dazu, dass sich Setzungen  und Spurrillen ergeben und die Fahrbahnebene sich senkt / stark beschädigt wird. Ständige Erneuerungen sind hier die Folge. D. h. auch, dass der Höhenunterschied sich verändert zur Oberkante des vorhandenen Kasseler Bordsteines. Die besten Erfahrungen liegen dagegen vor, wenn  die Fahrbahndecke vor Haltestellen mit Kasseler Bord in Beton ausgeführt werden. Das ist noch mehr die Ausnahme. An zahlreichen  Stellen wird inzwischen ein solcher Haltestellenausbau mit Betonfahrbahn  - auch in Salzgitter - vorgenommen.

e)   Eine weitere Rolle spielt der Typ der Bustüren: Innenschwenktüren und / oder Außenschwenktüren. Letztere können aufsetzen auf zu hohen Borden und Beschädigungen am Fahrzeug verursachen. Die KVG hat beide Türtypen im Fuhrpark. Der Typ mit Innenschwenktüren überwiegt.

f)    Ich habe anlässlich Ihrer Anfrage Kontakt mit dem Hersteller aufgenommen: Fa. Profilbeton in Borken bei Kassel (Erfinder des Kasseler Bordsteines). Es werden angeboten: Grundtypen 16 cm, 18 cm, 21 cm und 24 cm. Der 18 cm-Bord ist seit 19 Jahren Erfahrung da. Zahlreiche Versuche mit anderen Kantenhöhen wurden inzwischen durchgeführt.

g)   Der Bord mit der Profilhöhe 24 cm, der vom Antragsteller (SPD) hier eingefordert wird,  eignet sich im Bushaltestellenbereich nicht, lautet die klare Aussage des o. g. Herstellers mir gegenüber. Die Situationen  mit Fahrzeugbeschädigungen beim Überstreifen mit Vorder- und Hinterwagen sind hier gegeben. Diese Bauhöhe spielt daher nahezu keine Rolle mehr in der Baupraxis. Aktuelle Lösungsmöglichkeit „höherer Bord“ durch Neuentwicklung:  vgl.  bei Antwort zu Frage 2.

h)   Wir wollen dem Eindruck des Antragstellers, SPD-Fraktion des Ortsratzes der Ortschaft Nord, dass mobilitätseingeschränkte Menschen den ÖPNV der KVG wenig bis gar nicht nutzen (können) entgegentreten. Die KVG weist seit vielen Jahren einen hohen Anteil an Schwerbehinderten in ihren Bussen auf, die durch regelmäßige Erhebungen der Fahrgastzahlen dokumentiert sind. Mehr als 10 % beträgt der Schwerbehindertenanteil mit entsprechenden Ausweisen in unseren Verkehrsmitteln. Wir befördern zudem eine Vielzahl von Bürgern mit Rollatoren, die Anzahl mit Rollstühlen ist dagegen eher gering, obgleich unsere Fahrzeugflotte rund 89 % Niederfluranteil eine  Klapprampe an der 2. Tür aufweisen kann. Der Regelverkehr (ohne Schülerbusse) wird nahezu ausschließlich mit Niederflurfahrzeugen inzwischen bedient. […]

 

i)                    Ziel ist beschleunigter barrierefreier Fahrgastwechsel für alle Nutzer.

     Barrierefreier Ein- und Ausstieg erfordern dabei a) geringer Spalt zwischen   

     Fahrzeug und Bord => Spurführung und b) geringe Stufe => ausreichend  

     Borsteinhöhe. Aber: Kollision mit Fahrzeug ist zu verhindern in

     unterschiedlichen Anfahrsituationen der Busse.“

 

Die Antwort der RBB lautet:

 

„[…] bitte bei den "alten" Borden bleiben, nach meiner Kenntnis 18 cm. Da wir Busse mit Außenschwenktüren haben, kann eine Erhöhung um gleich 6 cm zum Aufsetzen der Türen führen.

 

Antwort der Verwaltung:

Der Einbau der Kasseler Borde mit einer Höhe von 18 cm erfolgt in Abstimmung mit der KVG, der RBB und unter Beteiligung des Beirates für Menschen mit Behinderungen. Probleme in Hinblick auf die seit etwa 15 Jahren verwendeten Kasseler Borde mit einer Höhe von 18 cm sind dem Fachdienst Tiefbau und Verkehr nicht bekannt. Ergänzend teilt die KVG folgendes mit: Der Kasseler Bordstein mit Höhe 24 cm hat sich in praktischen Versuchen zahlreicher Verkehrsunternehmen mit dem Hersteller nicht bewährt, da die Fälle mit Fahrzeugschäden zu hoch war. Der Einbau des 18 cm-Bordes stellt diesbezüglich keine Risiken dar.

Fragen 2 und 3:

nnen nicht die nachfolgenden Bushaltestellen, es sind immerhin noch mehr als die Hälfte umzubauen, noch mit einer größeren Bordhöhe eingesetzt werden?“

Wenn nicht, warum würde es nicht gehen?“

Antwort der Verwaltung:

Der Einsatz dieser Bordsteine ist an eine Reihe von Randbedingungen geknüpft. Eine Grundvoraussetzung ist das gerade Anfahren des Busses an die Haltestelle, das nur durch einen Halt am Fahrbahnrand und nicht durch das Anfahren einer Busbucht gewährleistet ist. Darüber hinaus muss die Örtlichkeit die Anlage zusätzlicher Rampen zur Überwindung der Höhendifferenz zulassen und die Gehweghöhe muss 12 cm betragen. Der bauliche und somit auch finanzielle Aufwand bei Verwendung der 22er Borde ist erheblich und steht in keinem Verhältnis zu dem für die Nutzer zu erreichenden Vorteil. Da es wie unter Punkt 1 beschrieben seit nunmehr etwa 15 Jahren positive Erfahrungen mit dem standardmäßig verwendeten Bordstein mit einer Höhe von 18 cm gibt, sollte auch zukünftig dieser Bord verwendet werden.

Frage 4:

Warum wurde speziell diese Problematik und eine für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste zufriedenstellende Lösung nicht mit dem Beirat für Menschen mit Behinderung erörtert?“

Antwort der Verwaltung:

Mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen sind der Standard für die barrierefreie Umgestaltung von Haltestellen sowie der Einsatz von Kasseler Borden mit einer Bordhöhe von 18 cm abgestimmt worden. Daneben verfügt die Verwaltung über eine Behindertenbeauftragte, die auch die Belange mobilitätseingeschränkter Personen vertritt. Diese wird bei der Erstellung von Straßenbauprojekten regelmäßig mit einbezogen.

Beratungsergebnis:

Der Ortsrat der Ortschaft Nord nimmt die Anfragenbeantwortung zur Kenntnis.