Vorlage - 3517/15

Betreff: Schulisches Förderangebot als ambulantes Unterstützungs- und Beratungssystem für Schülerinnen und Schüler im Primarbereich mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung für die Stadt Salzgitter
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilungsvorlage
Federführend:51 - Fachdienst Kinder, Jugend und Familie   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Bildung und Kultur Beschlussvorbereitung
04.03.2009 
18. öffentliche Sitzung des Ausschusses für Bildung und Kultur Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   
Jugendhilfeausschuss nachrichtlich
19.03.2009 
20. Öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Jugendhilfeausschusses Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   

Sachverhalt

Mitteilung:

 

Mitteilung:

 

Rechtliche Grundlagen: § 4 Niedersächsisches Schulgesetz und der Grundsatzerlass zur sonderpädagogischen Förderung vom 01.02.05

 

1. Zur Situation in der Stadt Salzgitter

 

Die Stadt Salzgitter bietet Kindern, die Störungen in der emotionalen und sozialen Entwicklung aufweisen, ein differenziertes Angebot auf der sozialpädagogischen, therapeutischen und beratenden Ebene an:

 

1.      Erziehungsberatungsstelle

2.      Fachdienst Kinder, Jugend und Familie; Fachgebiet Soziale Dienste

3.      Fachdienst Gesundheit (in Kooperation mit den vorab benannten)

 

Auf der schulischen Ebene werden in der Stadt Salzgitter für die Schülerinnen und Schüler keine schulischen Angebote (Förderschulen mit dem Schwerpunkt soziale und emotionale Entwicklung) vorgehalten.

 

 

2. Betreuungsbedarf

 

Für Schülerinnen und Schüler - vorrangig des Primarbereiches - wird davon ausgegangen, dass eine zunehmende Anzahl von Kindern einen intensiveren Hilfebedarf hat, der nicht allein mit den Fördermöglichkeiten der Herkunftsschulen erfüllt werden kann.

 

 

3. Definition

 

Die Schullaufbahn wird im Primarbereich entscheidend geprägt. Aus diesem Grunde ist eine pädagogische Förderung gerade in diesem Zeitraum von herausragender Bedeutung.

 

Das vorliegende Konzept für Schülerinnen und Schüler, die der Förderung in der emotionalen und sozialen Entwicklung bedürfen, geht von einer Verknüpfung präventiver, ambulanter sozialpädagogischer, förderpädagogischer und schulpädagogischer Maßnahmen aus, die dezentral für die Schulen in der Stadt Salzgitter angeboten werden sollen.

 

3.1              Zielsetzung

 

In der Kooperation von Jugendhilfe und Schule sollen regionale Arbeitsbündnisse hergestellt werden, um Schülerinnen und Schüler mit emotionalen und sozialen Störungen angemessen zu fördern. Die Kooperation gewährleistet, dass sich alle Institutionen, die in die Förderung des Kindes involviert sind, dem Entwicklungsproblem des Kindes stellen und so eine nachhaltige  Förderung  ermöglicht wird.

 

 

 

Wenn Kinder durch ihr Verhalten den Unterricht nachhaltig stören oder sich und andere gefährden, muss die Schule, um ihre Arbeits- und Wertegrundlage zu sichern, auf Einhaltung von Normen im Sozialverhalten bestehen und deren Verletzungen sanktionieren. 

Gleichzeitig müssen dem Kind und dem Lern- und Lebensumfeld pädagogische Hilfen angeboten werden, die an den aus dem störenden Verhalten abzuleitenden Bedarf anknüpfen und anhand eines individuellen Erziehungs- und Förderplans das Kind zu allgemein verbindlichen Verhaltensnormen führen, die ein Lernen in der Regelschule ermöglichen. Ziel ist es, die für das Kind individuelle abgestimmte bestmögliche Förderung am geeigneten Förderort und zu finden.

 

3.2. Begründung für ein schulisches Angebot im Bereich Erziehungshilfe

 

Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen in der Schule gehören zu einer der größten pädagogischen Herausforderungen.

 

Ihren Lehrauftrag können Lehrkräfte oft durch Bedarfe, die verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche an sie stellen, nicht gerecht werden und fühlen sich besonders belastet durch:

 

- aggressives Verhalten (verbal und körperlich , auto- und fremdaggressiv)

- Störungen im Arbeitsverhalten

- motorische Unruhe

- Regelverletzungen

- Probleme in der Zusammenarbeit mit den Eltern

- introvertiertes Verhalten (verbal und sozial)

 

Eine Verhaltensauffälligkeit kann nicht isoliert auf Einzelursachen zurückgeführt werden, sondern muss im Kontext der Schule, der Familie und der individuellen Entwicklung des Kindes gesehen werden.

 

 

4.      Umsetzung des Konzepts

 

Die schulische Versorgung von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung  soll möglichst wohnortnah umgesetzt werden.

 

Um verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern eine angemessene Förderung zuteil werden zu lassen, entwickelt das Beraterteam auf Grundlage der vorliegenden Förderpläne gemeinsam mit den Lehrkräften der Regelschulen ein Interventionskonzept, das z. B. Fördermaßnahmen, institutionelle und personelle Zuständigkeiten, Ziele und Zeiträume festlegt. Als tragfähige theoretische Grundlage für die Beratung und Unterstützung im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung hat sich der systemische Ansatz erwiesen.

 

 

Dabei sind fallbezogen u.a. die Erziehungsberechtigten, die Schülerin/der Schüler sowie Vertreter der Jugendhilfe einzubeziehen. Die Verantwortlichkeit des Handelns wird zwischen den Beteiligten klar abgegrenzt und gegebenenfalls in der Steuergruppe geregelt. Die Schnittstellen werden definiert. Die Steuergruppe gibt sich eine Geschäftsordnung.

 

 

 

 

5.      Aufgaben der Beraterinnen und Berater

 

5.1  Grundsätze

 

Die Beratung orientiert sich an systemischen Grundsätzen, unterliegt der Freiwilligkeit sowie Vertraulichkeit und erfolgt im Team. Im Mittelpunkt steht dabei die gemeinsame Entwicklung von Handlungsschritten, um eine Entlastung der schulischen Situation für alle Beteiligte zu erwirken.

Dem präventiven Ansatz kommt besondere Bedeutung zu, durch vorbeugende Maßnahmen können sozial unangemessene Handlungsmuster frühzeitig aufgebrochen, Gefährdungspotentiale für SchülerInnen rechtzeitig erkannt und die schulische Entwicklung positiv beeinflusst werden.

 

 

5.2  . Arbeitsfeld

 

1.      Initiierung und Begleitung des diagnostischen Prozesses

2.      Begleitung bei der Entwicklung des individuellen Interventionsplanes

3.      Umsetzung und Begleitung des Konzeptes

4.      Erarbeitung von alternativen pädagogischen Handlungsmöglichkeiten

5.      Initiierung der Vernetzung der beteiligten Helfersysteme

 

5.3.  Zuständigkeit

 

-              Sicherstellung des Arbeitsbündnisses

-              Mitarbeit in den örtlichen Netzwerken

-              Beratung von Eltern, Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften

-              Beteiligung an der Entwicklung und Umsetzung eines systemischen
Erziehungskonzepts an der Regelschule

-              Begleitung und Unterstützung bei Übergängen(Kita -Gs; Gs – weiterführende Schule)

-              Begleitung und Unterstützung der Fördermaßnahmen

-              Unterrichtshospitation und Reflexion

-              Teilnahme an Helferkonferenzen

 

 

6.      Personelle Ressourcen

 

Sonderpädagogische Kompetenz

 

Es wird davon ausgegangen, dass ca. 3 % der Schülerinnen und Schüler einer längerfristigen und intensiven Förderung im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung bedarf. Der sich für die Stadt Salzgitter ergebende Bedarf ist flächendeckend durch FörderschullehrerInnen abzudecken. Die hierfür notwendigen Stunden werden von der Landesschulbehörde zur Verfügung gestellt. Die eingesetzten Beratungskräfte sollten über einen längeren Zeitraum praktische Erfahrungen in einer Förderschule mit dem Schwerpunkt in der emotionalen und sozialen Entwicklung gesammelt haben und über die notwendigen Qualifikationen verfügen.

 

Sozialpädagogische Kompetenz

 

Der Fachdienst Kinder, Jugend und Familie leistet im Rahmen der Bezirkssozialarbeit und auf der Grundlage  der Kooperationsregeln Jugendhilfe – Schule einzelfallbezogene Sozialarbeit. Die gesetzlichen Grundlagen des SGB VIII ermöglichen die Beratung, Unterstützung und Begleitung von sorgeberechtigten Eltern. Die Zuständigkeit der Bezirkssozialarbeiter des Fachgebiets Sozialpädagogische Dienste richtet sich nach dem Wohnort der/des Sorgeberechtigten. Darüber hinaus bestehen für alle Schulen im Landkreis Ansprechpartner im ASD und ein regelmäßiger Austausch zu übergeordneten Themen zwischen Schule und Jugendhilfe (z.B. zu sozialräumlichen Projekten, Schulabsentismus).

 

 

Schulpädagogische Kompetenz

 

Die Kompetenzen in der Schule – Binnendifferenzierung, Förderunterricht, Beratungslehrkraft, Sportförderunterricht, Betreuung im Rahmen der VGS, Fachberatung, sonderpädagogische Grundversorgung, etc. finden in dem Erziehungs- und Förderplan eine angemessene Berücksichtigung, so dass das Ziel der Beschulung möglichst aller Kinder in der Regelschule in möglichst jedem Unterricht umgesetzt werden kann.

Aufgabe der Regelschule ist es, für erziehungshilfebedürftige Kinder, ein Grundmodell der Förderung zu entwickeln.

 

 

 

 

 

7.      Qualitätssicherung

 

Qualitätssicherung erfolgt durch Qualifizierungen, Supervision, kollegiale Fallberatung und Fortbildungen. Eine Evaluation erfolgt in regelmäßigen Abständen. Diese Standards werden für die Umsetzung des Konzeptes zwischen den Beraterinnen Mitarbeitern der Jugendhilfe, vereinbart.

 

Qualitätssicherung erfolgt durch die gezielte Auswahl von qualifizierten, erfahrenen und systemisch ausgebildeten Beraterinnen und Beratern, bzw. durch entsprechende Aus- und Weiterbildung.

 

Im Rahmen einer Steuerungsgruppe, zusammengesetzt, aus Beratungskräften, Vertretung der Schule, Vertretung der Jugendhilfe (Abteilungsleitung) und Vertretung der Landesschulbehörde wird eine Vernetzung und ein regelmäßiger Austausch zum vorliegenden Konzept gewährleistet.