Vorlage - 3814/15

Betreff: Landesgartenschau in Salzgitter-Bad (Tal der Langen Wanne und Umgebung)
Ergebnisse der Potenzialanalyse
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilungsvorlage
Federführend:EB 70 - Städtischer Regiebetrieb SRB Salzgitter   
Beratungsfolge:
Betriebsausschuss SRB Beschlussvorbereitung
09.06.2009 
17. Öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Werksausschusses SRB Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   
Verwaltungsausschuss Entscheidung

Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Mitteilung:

Mitteilung:

Der Rat der Stadt Salzgitter hat mit Beschlussvorlage 1890/15, ergänzt durch die Beschlussvorlage 2056/15 die Verwaltung beauftragt, eine Machbarkeitsstudie für die Durchführung einer Landesgartenschau in Salzgitter-Bad, „Bereich Lange Wanne und Umgebung“ durchzuführen.

Im Rahmen einer umfangreichen Internetrecherche wurde das Büro „Herbstreit Landschaftsarchitekten“/Hildesheim ermittelt. Dieses Büro hat in den letzten Jahren diverse Bundes- und Landesgartenschauen betreut und qualifiziert sich für dieses Gutachten in besonderem Maße.

Das Büro Herbstreit Landschaftsarchitekten wurde somit beauftragt, in einer Potenzialanalyse die Rahmenbedingungen und Entwicklungschancen einer Gartenschau in diesem Bereich zu untersuchen. In diesem Gutachten erfolgt zunächst eine Ersteinschätzung des Vorhabens. Die Potenzialanalyse soll der Stadt als Entscheidungsgrundlage dienen, ob weitere Planungsschritte zur Vorbereitung einer Landesgartenschau sinnvoll sind.

 

Der Gutachter stellt fest, dass im Untersuchungsgebiet in Salzgitter-Bad grundsätzlich ein attraktiver Gartenschaustandort entwickelt werden könnte, z. B. entsprechend dem dargestellten Szenario. Aus gesamtstädtischer Perspektive kann der Standort jedoch nicht vorbehaltlos empfohlen werden, da insbesondere der langfristige Nutzen für die Stadtentwicklung noch nicht geklärt ist.

So ist es fraglich,

n          ob für die Stadt Salzgitter ein konzentrierter Investitionsschub in die Freiraumentwicklung zu den aktuellen Prioritäten gehören sollte und

n          ob Salzgitter-Bad der einzig sinnvolle Standort für eine derartige Entwicklungsinitiative wäre.

Hierzu sollte auf der Grundlage eines Stadt- und Freiraumentwicklungskonzeptes für die Gesamtstadt zunächst geprüft werden, ob für die ermittelten Handlungsbedarfe eine Gartenschau überhaupt das geeignete Instrument ist und ob ein Gartenschauprojekt auf die Agenda der Stadtentwicklung Salzgitters gehören sollte. Darauf aufbauend könnte dann belastbar eingeschätzt werden, ob der Stadtteil Salzgitter-Bad der richtige Gartenschaustandort in Salzgitter ist.

In aller Regel stellen Gartenschauen die größten Vorhaben zur Freiraumentwicklung der jeweiligen Städte dar. Sie werden daher meistens auf den zentralen Freiraum der Stadt fokussiert, der eine hohe Repräsentativität für die Stadt und ein besonderes Identifikationspotenzial für die Bevölkerung hat. Vor diesem Hintergrund sollten in Salzgitter für ein Gartenschauprojekt auch andere Standorte in den Auswahlprozeß einbezogen werden, z. B. der Salzgittersee, der Salzgitterhöhenzug oder der Sportpark Mahner Berg. Diese Räume spielen für die Gesamtstadt eine exponierte Rolle, sind z. T. von regionaler Bedeutung und werden in der Außendarstellung von Salzgitters Wohn- und Lebensqualität regelmäßig zuerst genannt.

 

Das vollständige Gutachten ist der Mitteilungsvorlage beigelegt (Anlage 1).

 

Folgende Auswirkungen sind seitens der Verwaltung hervorzuheben:

Finanzielle Auswirkungen:

Finanzielle Auswirkungen:

Im Gegensatz zur Landesgartenschau Winsen 2006, die noch eine spezifische „Gartenschau-Förderung“ vom Land Niedersachsen über insgesamt 3,5 Mio. € erhielt, müssen die Ausrichter künftiger Landesgartenschauen ihre Investitionen aus sonstigen vorhandenen Förderprogrammen, Sponsorenbeiträgen und Eigenmitteln finanzieren. Für Gartenschauprojekte gibt es also keine besonderen Zuwendungen mehr.

Die Gesamtkosten einer Gartenschau werden in die Kostengruppen Investitionshaushalt, Durchführungshaushalt und Folgekosten unterteilt.

 

Landesgartenschauen im bundesweiten Vergleich

 

von

bis

statistischer Durchschnitt / Orientierungswert

Flächengröße  [ha]

10 – 20

30 – 60

27

Investitionshaushalt  [EUR]

4 Mio. – 7 Mio.

10 Mio. – 21 Mio.

10 Mio.

Durchführungshaushalt  [EUR]

4 Mio. – 6 Mio.

8 Mio. – 10 Mio.

5 Mio. – 7 Mio.

Besucher

350.000

2.500.000

500.000

 

Landesgartenschauen in Niedersachsen

 

Fläche [ha]

Besucher

Investitionshaushalt
 [EUR]

Durchführungshaushalt
[EUR]

Bad Zwischenahn
2002

14

950.000

12,7 Mio.

k. A.

Wolfsburg
2004

37

650.000

18,0 Mio.

8,6 Mio.

Winsen (Luhe)
2006

22

540.000

7,0 Mio.

6,7 Mio.

 

 

 

Investitionshaushalt

Dieser Haushalt umfasst die Planungs-, Bau- und Nebenkosten für die dauerhaften Maßnahmen, die im Rahmen der Gartenschau umgesetzt werden sollen. Dies sind

- Kosten zur Herstellung des eigentlichen Gartenschaugeländes sowie

- Kosten für flankierende Maßnahmen.

Die vorstehenden Tabellen geben einen Überblick zu den Investitionskosten vergangener Landesgartenschauen auf Bundesebene sowie in Niedersachsen. Jüngste Erfahrungen von Gartenschaubewerbungen in Niedersachsen geben Anlass, die potenzielle Förderung auf realistische 0 – 20% der Investitionskosten einzuschätzen. Es muss also festgehalten werden, dass eine Kommune die Investitionskosten einer Gartenschau zum weitaus größten Teil aus Eigenmitteln finanzieren muss.

Durchführungshaushalt

Hierin sind die Ausgaben und Einnahmen für die temporären Maßnahmen zur Durchführung der Veranstaltung „Gartenschau“ enthalten. Die Durchführungskosten sind somit die eigentlichen Kosten einer Gartenschau, während die Investitionskosten für eine dauerhafte Aufwertung von Stadträumen aufgewendet werden.

Zu den Ausgaben im Durchführungshaushalt zählen insbesondere In-frastrukturmaßnahmen für die Ausstellung (temporäre Parkplätze, Ausstellungsbeiträge, Einlass- und Kassenstrukturen, Bühnen, Gastronomie, Ver- und Entsorgungseinrichtungen), Personal-, Sach- und Betriebskosten zur Planung, Vorbereitung und Durchführung (Landesgartenschau-GmbH, Marketing, Gutachten) sowie Betriebs- und Unterhaltungskosten (Veranstaltungen, Sicherheit, Reinigung und Entsorgung). Die Einrichtung der Landesgartenschau-GmbH und die damit verbundene weitgehende Übertragung der Entscheidungskompetenz ist für die Kommune verpflichtend.

Einnahmen werden aus Eintrittsgeldern, Vermietung/Verpachtung, Merchandising, Sponsoring und dem abschließenden (Wieder-)Verkauf von Wirtschaftsgütern nach der Veranstaltung rekrutiert.

Die Eintrittsgelder sind die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle. Ihre Prognose im Vorfeld unterliegt aber großen Unwägbarkeiten, weil sie von den Besuchszahlen abhängen. Ein entscheidender Faktor ist, kaum prognostizierbar, das Wetter.

Bei den meisten Landesgartenschauen reichten die Einnahmen nicht aus, um die Kosten vollständig zu decken. So mussten die Kommunen diese Defizite aus Eigenmitteln ausgleichen. Während z. B. die jüngsten Landesgartenschauen 2008 in Bingen (Rhein), Schleswig und Rietberg aufgrund guter Besuchszahlen Gewinne im Durchführungshaushalt verzeichnen konnten, hatten z. B. Wernigerode 2006 340.000 €, Winsen 2006 800.000 € oder Wolfsburg 2004 700.000 € zu refinanzieren.

Folgekosten

Langfristig sind für die Träger einer Gartenschau über die eigentlichen Investitions- und Durchführungskosten hinaus noch Folgekosten zu berücksichtigen. Diese bestehen in erster Linie aus einem erhöhten Unterhaltungsaufwand für die aufgewerteten oder neu entstandenen Grünanlagen der ehemaligen Gartenschau. Im Hinblick auf die Unterhaltungskosten wird i. d. R. die Gestaltungsintensität der Gartenschaugelände nach dem Durchführungsjahr in Teilen reduziert. Gleichwohl entwickelt die Kommune im Zuge einer Gartenschau einen langfristig auf hohem Niveau zu pflegenden Freiraum.

Eigentumsverhältnisse der Flächen

Die Flächenkulisse für eine Gartenschau kann flexibel den örtlichen Verhältnissen angepasst werden. Neben dem klassischen Model des zentralen Ausstellungsgeländes sind auch dezentrale Modelle möglich. Nach den Durchführungsgrundsätzen des Landes ist für eine Landesgartenschau eine Fläche von mindestens 10 ha einzuplanen. Die drei letzten Landesgartenschauen in Niedersachsen (siehe Tabelle S. 3) liegen jedoch deutlich über diesem Wert.

In der Anlage 2 liegt eine Karte mit den Eigentumsverhältnissen im Bereich der Langen Wanne/SZ-Bad bei.

 

 

 

Vorschlag der Verwaltung

 

In Anbetracht der finanziellen Rahmenbedingungen zur Realisierung einer Landesgartenschau und der Haushaltssituation der Stadt Salzgitter schlägt die Verwaltung vor, die Ausrichtung einer Landesgartenschau in Salzgitter nicht weiterzuverfolgen.

 

 

 

 

(Klingebiel)                                                                                        (Grunwald)

 

Anlagen:

Anlagen:

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich 20090401_Potenzialanalyse-Laga-Salzgitter (1650 KB)      
Anlage 2 2 öffentlich 20090506_Karte_Lange Wanne_Städt_Grünflächen (7511 KB)