Vorlage - 4072/15

Betreff: Familienfreundliche Stadt - Vergleichsring der KGSt

Bericht aus der Vergleichsarbeit
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilungsvorlage
Federführend:51 - Fachdienst Kinder, Jugend und Familie   
Beratungsfolge:
Jugendhilfeausschuss Information
20.08.2009 
Öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Jugendhilfeausschusses Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   

Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen

Sachverhalt:

 

Ohne Kinder sind Städte und Gemeinden nicht mehr für die Zukunft gerüstet.

Familienfreundlichkeit hilft Kommunen auf vielfältige Weise bei der Bewältigung der unterschiedlichen Folgen des wirtschaftlichen Strukturwandels.

Basis für die Vergleichsringarbeit ist die Hypothese, dass eine verbesserte Kinder- und Familienfreundlichkeit durch die Stärkung und Bindung von Familien maßgeblich zur Stabilisierung von Stadtteilen und Stadtgesellschaften beiträgt und dass ein gutes und lebenswertes Umfeld für Familien sich insgesamt positiv auf die Zukunftsfähigkeit der Regionen auswirken kann.

Als Antwort auf die zukünftigen Auswirkungen des demographischen Wandels ist ein Wettbewerb um mehr Kinderfreundlichkeit entstanden. Die Bandbreite der dafür entwickelten Konzepte reicht von der Überwindung vorhandener Defizite und dem Ausbau von Stärken im eigenen Infrastrukturangebot bis zu direkten finanziellen Unterstützungsangeboten für Familien mit Kindern. Dabei handelt es sich um wohlüberlegte, rationale Investitionen in die demographischen und damit vor allem wirtschaftlichen Zukunftsperspektiven der jeweils einzelnen Städte. Den Beteiligten ist bewusst, dass die Kinder- und Familienfreundlichkeit bei näherer Betrachtung ein weit gefasstes, komplexes Thema ist. Dies macht es schwierig, zielsichere Handlungsoptionen zu entwickeln, denn viele der unterschiedlichen, gleichermaßen zu berücksichtigenden Facetten können bei ihrer Verwirklichung leicht in Widerspruch zueinander geraden. Örtliche Lösungsansätze sind auf andere Kommunen nur bedingt übertragbar, können jedoch Impulse für eigene Lösungsansätze darstellen.

 

1.     Projektbeschreibung

Aufgrund der demografischen Entwicklung und dem Bemühen, diesem durch eine verstärkte Orientierung auf das Thema Familienfreundlichkeit entgegenzuwirken, wurde von Seiten der KGSt der Vergleichsring „Familienfreundliche Stadt“ initiiert. Dieser Vergleichsring hat 2005 unter Mitarbeit von 15 Städten[1] aus der Bundesrepublik Deutschland und Österreich mit 100.000 bis 400.000 Einwohnern seine Arbeit aufgenommen.

In der mittlerweile 2. Projektphase (bis Ende 2009) arbeiten 10 Städte (Bottrop, Erlangen, Hamm, Innsbruck, Kassel, Kiel, Paderborn, Recklinghausen, Remscheid und Salzgitter) in dem Vergleichsring mit.

Ein mittelfristig zu erreichendes Ziel des Vergleichsringes war die Entwicklung eines Kennzahlensystems zur Steuerung und Evaluation des Ziels „Familienfreundliche Stadt“.

Langfristig sollte erreicht werden, mögliche Wirkungen kommunalen Handelns darzustellen und Korrelationen dieses Handeln und der Wahrnehmung der Einwohner in Bezug auf eine familienfreundliche Stadt aufzuzeigen. Da die Auswahl der Kennzahlen produktübergreifend ist, stellen sie das gesamte Leistungsportfolio einer Stadt dar. Intention dabei ist, die Steuerungsmöglichkeiten der Kommune selbst aufzuzeigen und zu verdeutlichen, welche Ergebnisse und Wirkungen damit bei den Einwohnern kurz -und langfristig auftreten.

 

2.     Vorgehensweise im Vergleichsring

2.1.   Ziele und Kennzahlen

r den Vergleichsring war es zu Beginn der Arbeiten erforderlich, den Begriff Familie zu klären. Es erfolgte die Verständigung auf die Definition: Eine Familie ist ein Haushalt mit mindestens einem Erwachsenen und einer Person unter 18 Jahren (bezogen auf die Einwohner mit Hauptwohnsitz).

Im Ergebnis wurden Ziele und Kennzahlen zur Messung der Familienfreundlichkeit einer Kommune bestimmt, die mit Zielgrößen hinterlegt, die Zielerreichung des strategischen Ziels „Familienfreundliche Stadt“ langfristig widerspiegeln[2].

 

3.     Produktorientierte Steuerung

3.1.   Strategische Handlungsfelder

Im weiteren Verlauf wurden aus dem strategischen Ziel „Familienfreundliche Stadt“

6 strategische Handlungsfelder

?         Sozialer Zusammenhalt und demokratische Teilhabe,

?         Erziehung, Bildung und Betreuung,

?         Freizeit, Kultur, Sport und Erholung,

?         Wohnen, Bauen und verkehr,

?         Umwelt und Gesundheit,

?         Wirtschaft und Arbeit

herausgearbeitet.

Diese strategischen Handlungsfelder ermöglichen es unabhängig von bestehenden Organisationsstrukturen das Gesamtziel inhaltlich und kundenorientiert zu verfolgen.

 

3.2.   Produkte

Im Vergleichsring wurden folgende Produktbereiche/ Produkte als steuerungsrelevant in Bezug auf beabsichtigte Wirkungen zur Familienfreundlichkeit identifiziert:

 

              Darstellung:

01 Gremien- und Öffentlichkeitsarbeit

02 Meldewesen

03 Kindertagesstätten

04 Schulen

05 Volkshochschule

06 Jugend -und Erwachsenenbildung

07 Musikschule

08 Offene Jugendarbeit

09 Jugendhilfe

010 Soziales

011 Sport

012 Grünflächen

 

013 Spielplätze

014 Stadtplanung

015 Umweltschutz

016 Bau

017 ÖPNV

018 Verkehrswesen

019 Wirtschaft

 

4.     Ergebnisse aus dem interkommunalen Vergleich

4.1.   Datenstand

Die im Folgenden dargestellten Ergebnisse basieren auf dem Abschluss der ersten Projektphase und den Kennzahlenergebnissen des Erhebungszeitraumes 2006.

Daneben gesetzt wurden die Daten der Stadt Salzgitter aus dem Jahr 2006 sowie (zum Vergleich) die aktuellsten Daten aus dem Jahr 2008.

 

4.2.   Ergebnis- und Wirkungskennzahlen

 

Kennzahl

Ein-

heit

Min.

Max.

Mittel-

wert

Salzgitter

2006

2008

Familienwanderungssaldo

%

- 6,92

0,54

- 0,78

-6,91

- 2,25

Anteil Familienhaushalte an Gesamthaushalten

%

16,92

31,44

21,21

17,94

17,17

Fertilitätsrate

%

1,13

1,50

1,31

1,33

1,51

Zufriedenheit mit der Familienfreundlichkeit

Note

2,20

2,98

2,64

2,84

 

 

4.2.1.   Ergebnisse der produktbezogenen Schlüsselkennzahlen

Im Folgenden werden die Ergebnisse der produktbezogenen Schlüsselkennzahlen gegliedert nach strategischen Handlungsfeldern, mit ihrem Minimum, Maximum- und Mittelwert (Datenbasis 2006) von 15 Kommunen abgebildet. Auch hier werden die Daten für die Stadt Salzgitter für die Jahre 2006 und 2008 daneben gesetzt.

 

 

 

4.2.2.   Sozialer Zusammenhalt und demografische Teilhabe

Dieses Handlungsfeld berücksichtigt die Inhalte:

?         Familienstruktur ggf. über mehrere Generationen,

?         Soziales Engagement und Nutzung desselben,

?         Beteiligung an kommunalen Prozessen.

 

Da es in diesem Handlungsfeld schwierig war Zahlenmaterial zu erhalten, konzentrierte sich der Vergleichsring auf die Möglichkeiten, die die Familienbefragung bot.

 

Kennzahl

Ein-

heit

Mittel-

wert

Salzgitter

2006

Zufriedenheit mit der Familienfreundlichkeit

Note

2,64

2,84

Wie beurteilen Sie die Möglichkeit, auf die Politik in Ihrer Stadt Einfluss zu nehmen?

Note

3,52

3,45

Wie beurteilen Sie die Möglichkeit, auf die Verkehrsplanung in Ihrem Wohnumfeld Einfluss zu nehmen?

Note

3,71

3,69

Ist Ihnen bekannt, dass Sie sich in Ihrer Stadt an demokratischen Meinungsbildungsprozessen, in Ausschüssen, in Ortsbeiräten oder bei Planungsvorhaben beteiligen können?

Ja in %

55,81

57,0

Sind Sie selbst oder eines Ihrer Familienmitglieder aktiv in dieser Form tätig?

Ja in %

20,76

19,3

 

Geplant ist, Ende 2009 die Familienbefragung in verdichteter Form erneut durchzuführen.

 

4.2.3.   Erziehung, Bildung und Betreuung

Dieses Handlungsfeld berücksichtigt die Inhalte:

?         Frühkindliche Erziehung in verschiedenen Organisationsformen,

?         Kindertagesbetreuung in verschiedenen Organisationsformen,

?         Grund- und Oberschulen, Fachschulen, Fachhochschulen und Universitäten,

?         Bildungsangebote wie Volkshochschulen und Büchereien,

?         Erziehungsberatungsstellen.

?            

Kennzahl

Ein-

heit

Min.

Max.

Mittel-

wert

Salzgitter

2006

2008

Angebot an Krippen-/Kindergarten-plätzen für Kinder unter 3 Jahre

%

2,96

27,97

8,12

9,98

10,26

Angebot an Kindertagesstätten ab 3 Jahre (incl. Betriebskindergärten)

%

85,38

114,69

94,67

89,94

99,60

[SYMBOL 180 \f "Symbol" \s 11]

Anteil eingeschulter Kinder mit Sprachdefiziten

%

1,85

48,86

14,91

17,45

14,74

 

Versorgungsgrad Betreuung für Grundschüler

%

3,10

38,49

24,88

6,42

6,50

 

Kennzahl

Ein-

heit

Min.

Max.

Mittel-

wert

Salzgitter

2006

2008

 

 

 

 

 

 

 

Anteil Schulabgänger ohne Schulabschluss

%

1,80

11,70

6,39

7,98

6,21

Volkshochschule Kursstunden pro 1.000 Einwohner

Std.

252

4.558

2.404

3.794

3.477

Musikschule Teilnehmer an Einwohnern

%

0,41

2,94

1,26

0,41

0,48

Offene Jugendarbeit Stunden pro 1.000 Einwohner unter 18 Jahre

Std.

263

2.537

1.130

2.537

2.685

Anteil erzieherischer Hilfen an Einwohnern unter 18 Jahren (§§ 27, 29-35 SGBVIII)

%

1,38

4,77

2,84

2,71

3,10

Jugendgerichtsquote

%

0,95

11,71

7,83

7,21

6,70

 

4.2.4.   Freizeit, Kultur, Sport und Erholung

Dieses Handlungsfeld berücksichtigt die Inhalte:

?         Kommunale und private Freizeitangebote,

?         Theater, Museen, Veranstaltungen,

?         Vereins- und Verbandsaktivitäten,

?         Sportstätten, sportliche Aktivitäten,

?         Erholungsflächen, Grünflächen.

 

Kennzahl

Ein-

heit

Min.

Max.

Mittel-

wert

Salzgitter

2006

2008

Anteil Sportvereinsmitglieder an Einwohnern

%

17,55

38,94

26,78

25,96

25,93

Grünfläche pro Einwohner

135,2

1.528,2

471,4

1.528,2

1.563,6

Spielplätze Fläche pro Einwohner unter 18 Jahre

7,62

55,57

15,40

55,57

58,79

 

4.2.5.   Umwelt und Gesundheit

Dieses Handlungsfeld berücksichtigt die Inhalte:

?         Umwelt- und Naturschutz,

?         Entsorgung,

?         Gesundheitsvorsorge, Gesundheitspflege,

 

Kennzahl

Ein-

heit

Min.

Max.

Mittel-

wert

Salzgitter

2006

2008

Flächenversiegelung -bezogen auf das Stadtgebiet

%

2,76

40,00

16,39

6,34

6,34

 

 

4.2.6.   Wohnen, Bauen und Verkehr

Dieses Handlungsfeld berücksichtigt die Inhalte:

?         Stadtplanung,

?         Wohnungsbau,

?         Öffentliche Sicherheit und Ordnung,

?         Nahverkehr und Mobilität,

?         Reinigung öffentlicher Flächen.

 

Kennzahl

Ein-

heit

Min.

Max.

Mittel-

wert

Salzgitter

2006

2008

Anteil Wohnungen in Mehrfamilien-häusern mit min. 5 Räumen

%

19,31

43,86

31,54

35,31

35,56

Anteil Einfamilienhäuser an Wohnein-heiten insgesamt

%

6,85

24,94

17,38

21,96

24,06

ÖPNV-Fahrten pro Einwohner

Fahrten

53,7

394,4

152,5

53,7

53,7

Anteil Ragwegelänge an Straßenlänge

%

2,35

45,87

20,93

18,78

19,13

Verletzte und getötete Kinder im Straßenverkehr pro 1.000 Kinder

%

2,69

5,89

3,94

2,69

3,65

 

4.2.7.   Wirtschaft und Arbeit

Dieses Handlungsfeld berücksichtigt die Inhalte:

?         Wirtschaft und Wirtschaftsförderung,

?         Arbeitsmarkt (und Arbeitgeberin „Stadt“),

 

Kennzahl

Ein-

heit

Min.

Max.

Mittel-

wert

Salzgitter

2006

2008

Arbeitslosenquote unter 25 Jahren

bei 15-bis unter 25jährigen

%

5,40

11,70

9,27

10,40

7,60

Kinderarmutsquote

%

10,41

26,75

19,04

19,93

16,55

 

4.3.     Vertiefende Analyse der Ergebnisse

Es ist vorgesehen mögliche Korrelationen der Ergebnis- und Wirkungskennzahlen „Familienwanderungssaldo, „Anteil der Familienhaushalte an Gesamthaushalten“, „Fertilitätsrate“ und „Ergebnis der Familienbefragung“ zu ermitteln und, sofern sich daraus Zusammenhänge ableiten lassen, Handlungsempfehlungen zu erarbeiten.

Außerdem wird das Kennzahlensystem weiter fortgeschrieben, indem die die Ergebnisse der Familienbefragung eingearbeitet werden.

 

5.     Erste Schlussfolgerungen

Aus der bisherigen Arbeit des Vergleichsrings sind folgende vorläufige Schlussfolgerungen zu ziehen:

 

?         Die Strukturierung von strategischen Zielen mittels strategischer Handlungsfelder vermitteln eine kundenorientierte und organisationsunabhängige Sichtweise und zeigt gleichzeitig Synergieeffekte bei der übergreifenden Betrachtung mehrerer Produkte auf.

?         Die Definition von strategischen Zielen muss die gleichen Anforderungen, wie die bei übrigen Zielen erfüllen. Auch hier müssen Ziele nach den SMARTplus -Kriterien[3] beschrieben werden, um eine verbindliche Umsetzung bis hin zur Zielerreichungskontrolle zu ermöglichen.

 

?         Die aktive Steuerung nach strategischen Zielen erfordert eine dafür geeignete Verantwortungsstruktur. Die Gesamtdarstellung als „Familienfreundliche Stadt“, die Steuerung des Projektprozesses, die Koordinierung von Zielvereinbarungen, die Unterstützung und Koordination der eingebundenen Projektverantwortlichen und Dritter, das Controlling der jeweiligen Ergebnisse sowie ein Gesamtberichtswesen müssen entsprechend verortet werden.

 

?         Bei der Betrachtung der Ergebnisse sind bislang gesamtstädtische Werte dargestellt. Bei der Analyse vor Ort kann es jedoch erforderlich sein, sozialumliche Strukturen zu berücksichtigen und die Daten ggf. auf einzelne Quartiere herunterzubrechen

 

?         Das strategische Ziel „Familienfreundliche Stadt“ erfordert Anstrengungen des gesamten kommunalen Leistungs/Produktspektrums. Hier ist jeweils die Frage zu stellen:

Welcher Beitrag kann zur Erreichung des strategischen Ziels geleistet werden?“

 


[1] Die Städte Bottrop, Erlangen, Hamm, Heilbronn, Innsbruck, Kassel, Kiel, Koblenz, Ludwigshafen, Paderborn, Recklinghausen, Remscheid, Saarbrücken, Salzgitter und Solingen

[2] Als kurzfristig relevanteste Kennzahl zur Darstellung der Wirkungsergebnisse wurde die Gesamtnote einer regelmäßigen Familienbefragung bestimmt. Aus diesem Grunde wurde in der ersten Phase des Vergleichsrings im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes mit der Wüstenrot Stiftung und der Firma „empirica“ eine telefonische Familienbefragung durchgeführt.

Das Gesamtergebnis der Befragung kann als Veröffentlichung bei der Wüstenrot Stiftung angefordert werden

[SYMBOL 180 \f "Symbol" \s 11]? 99,60% bei 3,5 Jahrgängen zum 31.12.2008 gerechnet, bis zum Ende des Kitajahres (30.6.2009) fehlen 425 Plätze zur Erfüllung des Rechtsanspruches.

[3] SMARTplus Ziele sollen spezifisch, messbar, aktiv beeinflussbar, realistisch, terminiert formuliert sein. Sie sollen herausfordernd, positiv formuliert und in einem ganzen Satz dargestellt werden.