Vorlage - 0636/16

Betreff: Module nach § 37 SGB VIII
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilungsvorlage
Federführend:51 - Fachdienst Kinder, Jugend und Familie   
Beratungsfolge:
Jugendhilfeausschuss zur Kenntnis
15.03.2012 
3. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Jugendhilfeausschusses Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:

 

Die Arbeitsgemeinschaft Erziehungshilfe nach § 78 SGB VIII hat festgelegt, dass ein verbindlicher Maßnahmenkatalog zu den stationären Hilfen gem. §§ 33 und 34 SGB VIII nach § 37 SGB VIII (Zusammenarbeit bei Hilfen außerhalb der eigenen Familie) zusammengestellt wird, der als Maßnahme-Portfolio von allen Trägern der Erziehungshilfe genutzt werden kann.

 

Dies vorausgeschickt berichtet die Verwaltung wie folgt:

 

Der Gesetzgeber sieht vor, dass „bei Hilfen nach §§ 32 bis 34 und § 35a Abs. 2 Nr. 3 und 4 soll darauf hingewirkt werden [soll], dass die Pflegeperson oder die in der Einrichtung für die Erziehung verantwortlichen Personen und die Eltern zum Wohl des Kindes oder des Jugendlichen zusammenarbeiten.“ (vgl. § 37 SGB VIII, Anlage 1).

 

Zielsetzung ist es, die Herkunftsfamilien der stationär untergebrachten Kinder zu befähigen, dass die Erziehungsbedingungen im häuslichen Umfeld deutlich verbessert werden, so dass das Kind innerhalb einer vertretbaren zeitlichen Perspektive in seine Familie zurückkehren kann.

 

Die Ausgangslage in den Herkunftsfamilien stellt sich vielfach als multiproblematische Situation  dar, so dass auf der Grundlage einer gemeinsamen Defizitanalyse zunächst ein Gesamtplan mit der Familie entwickelt wird.  Mit einer Reihe von standardisierten Leistungen zur Verbesserung der Alltagssituation sollen diese Familien in die Lage versetzt werden, ihre allgemeine Lebenssituation und somit auch die Bedingungen für die Rückkehr des Kindes in die Familie zu verbessern.

 

Als Regelzeitraum der Hilfe wurde ein Zeitfenster von zwei Jahren festgelegt, das auf Basis halbjährlich stattfindender Hilfeplangespräche eine detaillierte Begleitung der Entwicklungssituation der Familie erglicht. Die Familien sollen innerhalb eines Hilfeplanzeitraums von sechs Monaten nicht mehr als zwei Module in Anspruch nehmen.

 

Im Rahmen des Maßnahmenkataloges wurden insgesamt 10 Rubriken mit Angeboten aus folgenden Bereichen zusammengestellt:

 

1.              usliche Alltagsfertigkeiten:

?         Lernen, preiswert zu kochen

?         Ökonomisch einkaufen

?         Ökonomische Haushaltsführung

 

2.              Haushaltsorganisation

?         Aktive Hilfe zur Ordnung des Haushalts

?         Haushaltsorganisationstraining

 

3.              Materielle Grundlagen:

?         Schuldnerberatung

?         Haushaltsplan

?         Gläubigervereinbarung

?         Selbstverpflichtungen

 

4.              Hygiene und Gesundheit

?         Arztbesuche

?         Medikamentöse Abklärung

?         Sauberkeit im Haushalt

?         rperpflege

 

5.              Therapie und Beratung bei Sucht

?         Betreuung

?         Medizinische Überwachung

?         Ambulante Therapie

?         Stationäre Therapie

 

6.              Kontakt/Kommunikation

?         Aufbau und Pflege von Außenkontakten, dadurch auch Steigerung der Erziehungskompetenz

?         Sozialhygiene

 

7.              Soziale Zwangsbeziehungen und Behördengänge regeln

?         Organisation der ökonomischen Verhältnisse

?         Behördenangelegenheiten

?         Abbau der Störung in der Schule

 

8.              Veränderung der Paarbeziehung

?         Veränderung eigenen Verhaltens (Reflexion)

?         rderung der Kommunikation untereinander (Wertschätzung)

?         Verbesserung der Kommunikation bedeutet positive Wirkung auf die Kinder

 

9.              Vermittlung von Erziehungskompetenzen und Konfliktlösungsstrategien

?         Verbesserung der Kommunikation innerhalb der Familien

?         Aktivierung elterlicher Ressourcen

?         Erlernen von Konfliktlösungsstrategien in der Familie

?         kindgerechte Freizeitgestaltung

?         Elternkurse

 

10.              ckführung (professionelle Unterstützung)

?         Beurlaubungsbegleitung

?         Nachbetreuung

?         Begleitung/Arbeit mit der Familie zu Hause

 

Bei den einzelnen Maßnahmen besteht seitens der Familien eine Mitwirkungspflicht. Im besten Fall wirkt die Familie mit, indem sie die Angebote annimmt und die Inhalte umsetzt. Damit verbessert sie die häuslichen Verhältnisse dergestalt, dass weitere Hilfen nicht mehr erforderlich sind oder eine ambulante Begleitung zukünftig ausreicht. Soweit die Familien ihrer  Mitwirkungspflicht nur in unzureichendem Maße oder gar nicht nachkommen, ist es im Umkehrschluss möglich, auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse in der Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie den dauerhaften Verbleib des Kindes/der Kinder festzustellen. In diesem Fall läge der Vorteil in der offenen Benennung einer eindeutigen Lebensperspektive für das Kind/ die Kinder, die auch einer gerichtlichen Überprüfung standhält.

Anlagen:

 

1 Gesetzestext § 37 SGB VIII

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
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