Vorlage - 1094/16

Betreff: Bekämpfung der Herkulesstaude in der Stadt Salzgitter
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilungsvorlage
Federführend:EB 70 - Städtischer Regiebetrieb SRB Salzgitter   
Beratungsfolge:
Betriebsausschuss SRB zur Kenntnis
17.07.2012 
6. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Betriebsausschusses SRB Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   
Umwelt- und Klimaschutzausschuss zur Kenntnis
04.09.2012 
5. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Umwelt- und Klimaschutzausschusses Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   

Sachverhalt

Sachverhalt:

 

Aus aktuellem Anlass hat die Verwaltung in der Betriebsausschusssitzung vom 19.06.2012 einen Bericht zur Bekämpfung der Herkulesstaude für die Betriebsausschusssitzung am 17.07.2012 angekündigt.

 

In der Stadt Salzgitter hat sich die Herkulesstaude, auch als Riesen-Bärenklau bekannt, nahezu im ganzen Stadtgebiet ausgebreitet. Die aus dem Kaukasus stammende Pflanze wurde schon im 19. Jahrhundert nach Europa eingeführt. Diese 2 bis 4 Meter hohe imposante Staude wurde in Hausgärten kultiviert und verbreitet sich von hier außerhalb des besiedelten Bereiches. Bevorzugt werden dabei vor allem feuchte und lichte Standorte, wie Brachflächen, Uferrandstreifen, Industriebrachen und ähnlich nicht unmittelbar genutzte Flächen. Stellenweise erfolgte auch ein aktives Aussäen unter anderem als Bienenweide oder Wilddeckung.

 

Diese schöne, aber gefährliche Pflanze ist eine erhebliche Gefahr für den Menschen. Der Saft aller Pflanzenteile enthält photosensibilisierende Substanzen, die in Verbindung mit Sonnenlicht, teilweise zu schweren, verbrennungsähnlichen Schäden der Haut führen und nur schwer abheilen. Auch von den Blättern und der Wurzel gehen Gefahren aus.

 

Die Stadt Salzgitter hat deshalb in der Gefahrenabwehrverordnung vom 16.10.2008 folgendes geregelt:

 

 

§ 6

Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum)

 

(1)Der Anbau oder das Ansiedeln der Herkulesstaude in der Land- und Forstwirtschaft, im Erwerbsgartenbau, in Gärten und in Parks ist untersagt.

 

(2)Die Eigentümer bzw. Nutzungsberechtigten bzw. Nutzungsberechtigten von Grundstücken haben die Ausbreitung vorhandener Herkulesstauden zu verhindern.

 

(3)Die Stadt Salzgitter kann von dem Eigentümer bzw. Nutzungsberechtigten von Grundstücken verlangen, die vorhandenen Herkulesstauden zu entfernen und ord­nungsgemäß zu entsorgen.

 

Auf städtischen Flächen sind größere Vorkommen in Salzgitter Bad u.a. in der Aufforstungsfläche am Ende der Jahnstraße und hinter der Kleingartenanlage Königsberg auf der ehemaligen Pachtfläche des NABU Salzgitter bekannt, die zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung bekämpft werden.

 

Aufgrund des Ratsbeschlusses vom 29.02.2012 wird auf den Einsatz von Herbiziden auf städtischen Flächen verzichtet.

 

Erfahrungen der unteren Naturschutzbehörde haben allerdings gezeigt, dass bei größeren flächendeckenden Beständen der Herkulesstaude die mechanische Beseitigung allein (d.h. Ausgraben jüngerer Pflanzen, Entfernen der Blütenstände vor der Samenreife) aufgrund des enormen Wachstums zur nachhaltigen Beseitigung nicht ausreicht.

 

Diese Erfahrungen resultieren aus einer Maßnahme auf Flächen der NABU-Stiftung im Naturschutzgebiet „Klärteich III bei SZ-Heerte“ (Heerter See). Hier erfolgt bereits seit 2009 unter Federführung der Stadt Salzgitter als für das Gebiet zuständigen Naturschutzbehörde eine Pflege- und Entwicklungsmaßnahme im Rahmen von Landesmittelzuweisungen. Die Bempfung eines mehrere Hektar großen Bestandes durch den konsequenten Einsatz des selektiven Herbizides „Garlon4“ erfolgt in enger fachlicher Abstimmung, sowohl mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz als auch mit dem Pflanzenschutzamt Hannover. Der von einer qualifizierten Fachfirma durchgeführte Einsatz wird von regelmäßigen Kontrollen sowie einer flankierenden mechanischen Nachbearbeitung begleitet und zeigt mittlerweile gute Erfolge.

 

Anlass für diese Maßnahme war vor allem die Tatsache, dass bereits ein Einwandern von Herkulesstauden in das vorhandene Schilfröhricht als Lebensraum wertbestimmender Brutvogelarten des Gebietes zu beobachten war und Bestände in dieser Größenordnung eine massive Bedrohung dieses Lebensraumes darstellen.

 

Grundsätzlich sollte jedoch zur Vermeidung von Beeinträchtigungen anderer Tier- und Pflanzenarten die Anwendung von Herbiziden, vor allem bei Einzelpflanzen und kleineren Beständen der Herkulesstaude auf ein Minimum beschränkt werden, sofern nicht Gründe des Artenschutzes oder der Gefahrenabwehr überwiegen. Auf sogenanntem „Nicht-Kulturland“ ist zudem für den Einsatz von Herbiziden vorab immer eine Genehmigung des Pflanzenschutzamtes Hannover erforderlich, der eine sorgltige Prüfung auf mögliche Bekämpfungsalternativen vorausgeht.

 

Der Ausschuss wird um Kenntnisnahme gebeten.