Vorlage - 3219/16

Betreff: Neustrukturierung der vorschulischen Sprachförderung
"Fit in Deutsch"
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilungsvorlage
Federführend:51 - Fachdienst Kinder, Jugend und Familie   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Bildung und Kultur zur Kenntnis
10.07.2014 
21. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Bildung und Kultur Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   
Jugendhilfeausschuss zur Kenntnis
17.07.2014 
18. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Jugendhilfeausschusses Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   

Sachverhalt
Anlage/n

Mitteilung:

Die Verbände der freien Wohlfahrtspflege und das  niedersächsische Kultusministerium haben 2011 gemeinsame Handlungsempfehlungen zur Sprachbildung und Sprachförderung passend zum Orientierungsplan für Bildung und Erziehung niedersächsischer Tageseinrichtungen für Kinder erarbeitet und veröffentlicht.  Inhaltlich betont diese erste Handlungsempfehlung vor allem die Bedeutung ganzheitlicher Sprachbildung in der Elementarpädagogik und den Einfluss der Erziehersprache auf das kindliche Lernen und der Bildungssprache Deutsch.

 

2012 folgen darauf aufbauend erweiterte Handlungsempfehlungen des Kultusministeriums unter dem Titel „Sprachbildung als Teil der Sprachbildung im Jahr vor der Einschulung durch Grundschulkräfte“. Inhaltlich betont wird in diesen ergänzenden Handlungsempfehlungen die Bedeutung  der Sprachförderung als „unterstützender Teil“ der Sprachbildung. Schwerpunkt ist die gemeinsame Abstimmung der Förderung durch KiTa und Grundschule.

 

Rechtliche Grundlage für die schulische Sprachförderung vor der Einschulung ist § 64 Absatz 3 des Niedersächsischen Schulgesetzes (NSchG).

 

Kinder, deren Deutschkenntnisse nicht ausreichen, um erfolgreich am Unterricht teilzunehmen, sind danach verpflichtet, im Jahr vor der Einschulung nach näherer Bestimmung durch das Kultusministerium (MK) an besonderen schulischen Sprachfördermaßnahmen teilzunehmen. Entsprechende Regelungen hat das MK mit dem Erlass vom 01.03.2012Sprachfördermaßnahmen vor der Einschulung“ getroffen.

 

Die Feststellung der Sprachkenntnisse erfolgt nach einem vom MK festgelegten landesweit einheitlichen Verfahren (Fit in Deutsch“)

 

Die Sprachförderung verantworten Lehrkräfte der Grundschulen und hren sie in Abstimmung oder gemeinsam mit den Fachkräften der Kindertagesstättenr Kinder durch. Die Sprachfördermaßnahmen sollen dabei vorrangig in der Tageseinrichtung des zu fördernden Kindes stattfinden.

r jedes Kind, das an der Sprachförderung teilnimmt, wird ein Zusatzbedarf von einer Lehrerstunde zur Verfügung gestellt.

 

In der oben erwähnten Handlungsempfehlung „Sprachförderung als Teil der Sprachbildung im Jahr vor der Einschulung durch Grundschullehrkräfte“ heißt es:

 

Der Aufbau bildungssprachlicher Kompetenzen  ist ein komplexer Prozess, der im Elementarbereich beginnt und in der Schule fortgeführt wird. Er wird dann erfolgreich sein, wenn aufeinander abgestimmte Förderangebote als Teil der durchgängigen Sprachbildung verstanden und entwickelt werden. Aufgabe der Bildungsinstitutionen Kita und Schule ist es, ausgehend von den Alltagserfahrungen der Kinder Situationen zu gestalten, in denen die Kinder die Kompetenzen in der Bildungssprache systematisch weiter ausbauen können.“

Ressourcen in Schule und Kita sind so zu bündeln und aufeinander abzustimmen, dass Kinder bestmöglich unterstützt, begleitet und gefördert werden.“

 

Der gemeinsame Fachtag für Kitas und Grundschulen in 2013 zu dem Thema „Handlungsempfehlungen r die Sprachbildung und Sprachförderung an der Schnittstelle Kita und GS“ hat das große Interesse an einem guten Informationsaustausch und einer engen Verzahnung der Arbeit der beiden Institutionen Kita/GS gezeigt. Zielsetzung aller Teilnehmer ist es gewesen durch eine gut ausgebaute, konzeptionell aufeinander bezogene und verlässlich verknüpfte Sprachbildung/-förderung  zu mehr Chancengerechtigkeit beizutragen.

 

Die Zahl der Kinder, die an der Sprachförderung teilnehmen ist seit einigen Jahren dank entsprechender Fördermaßnahmen bereits in der Kita rückläufig (im Schuljahr 2011/2012 261 Sprachförderkinder) Im Schuljahr 2013/2014 nehmen 225 Kinder an der Sprachförderung vor der Einschulung teil. r 184 Kinder (81,8 %) findet die Sprachförderung in den Grundschulen statt; in den Kitas erfahren entgegen des genannten Erlasses nur 41 Kinder (18,2 %) eine entsprechende Förderung. Zu den Fördermaßnahmen in den Grundschulen müssen zurzeit 64 Kinder mittels Taxen befördert werden. Neben organisatorischem entsteht auch nicht notwendiger erheblicher finanzieller Aufwand für die Stadt Salzgitter (ca. 45.000 €).

 

Weitere organisatorische Schwierigkeiten ergeben sich zwangsläufig durch die rechtlich nicht mögliche Deckungsgleichheit von verbindlich vorgeschriebenen Grundschulbezirken und der freien Wahl des Kitastandortes. Dadurch werden teilweise Kinder aus einer Kita in verschiedenen Schulen betreut.

 

Der zeitliche Rahmen der Sprachförderstunden umfasst den gesamten Vormittagsbereich. Es gibt Sprachförderung in den Randzeiten der Kita-Betreuung (morgens oder am frühen Nachmittag) bzw. auch Sprachförderstunden im Laufe des Vormittags, d.h. die Kinder werden aus ihrem Kita-Alltag gerissen oder können an Bildungsangeboten der Kita gar nicht erst teilnehmen, der gewünschte Förderertrag ist so schwerlich zu erzielen.

 

Das derzeitige Prozedere bietet nicht die Rahmenbedingungen für den oben beschriebenen Kind orientierten Ansatz der ganzheitlichen Pädagogik. Es macht eine gelingende aufeinander abgestimmte Förderung der Kinder für die beiden Institutionen schwierig und behindert  die Kitas und Grundschulen in der Umsetzung ihres Bildungsauftrags.

 

Die Verwaltung strebt deshalb in Abstimmung mit der Niedersächsischen Landesschulbehörde (NLSchB) zur Umsetzung des o.g. Erlasses eine Umstrukturierung mit folgenden Rahmenbedingungen an:

  • Die Sprachförderstunden der Schule sollen auf die umliegenden Kitas nach einem Poolprinzip verteilt werden, sodass eine Lehrperson unabhängig von der Schulzugehörigkeit der Kinder in einer Kita die dort zu fördernden Kinder betreut. Dies bedarf eines Umdenkens in der Stundenverteilung und der Entwicklung eines gemeinsamen Sprachförderkonzepts.
  • Die schulische Sprachförderung sollte nicht mehr in separaten Räumen, sondern in erster Linie im alltagsintegrierten Zusammenspiel mit den Erziehern in der Gruppe stattfinden, wobei die Bearbeitung  spezieller Aufgaben in Kleingruppen möglich sein sollte. Dies würde den Lehrern einen Einblick in die pädagogische Arbeit der Kita ermöglichen und den Erziehern die Anforderungen in der Schule bewusster machen. 
  • Eine optimale Förderung der Kinder wäre gegeben, wenn im Rahmen einer guten Zusammenarbeit, in der schulischen Sprachförderung die Themen der Kindergartengruppe aufgegriffen und mit „schulischen“ Elementen erweitert werden.

 

Eine Pilotphase ist zum Schuljahresbeginn 2014/2015 mit den beiden Fredenberger Grundschulen (GS Dürerring und GS Fredenberg) mit einem abgestimmten Konzept der gemeinsamen Sprachförderung vereinbart.

 

Weitere Projekte sollen regional verteilt auf das gesamte Stadtgebiet eingerichtet werden,glichst auch noch für das Schuljahr 2014/2015. Dazu gehören insbesondere die Grundschulen Kranichdamm, Am Sonnenberg, Am Ziesberg und Thiede.

 

Im darauf folgenden Schuljahr ist eine Ausweitung auf die restlichen Grundschulstandorte geplant; Ziel ist die flächendeckende Umstrukturierung zur Optimierung der Sprachrderung.

 

Eine Weiterführung des Konzeptes der durchgängigen Sprachbildung von der Alltagssprache zur Bildungssprache, findet im schulischen Bereich durch „DazNet“ (Deutsch als Zweit- und Bildungssprache, Mehrsprachigkeit und Interkulturelle Kompetenz in Niedersachsen) statt. Aufnehmende und abgebende Bildungseinrichtungen arbeiten bei der Übergangsgestaltung eng zusammen und knüpfen an das an, was vorher im Bereich Sprachbildung und -förderung erarbeitet wurde. Dies gilt u.a. für den Übergang vom Elementarbereich in die Grundschule und von der Grundschule in den Sekundarbereich I.