Vorlage - 3133/16-AW

Betreff: Schulsozialarbeit;
Beantwortung der gemeinsamen Anfrage der Ratsfraktionen der SPD und Bündnis 90/Die Grünen vom 29.04.2014 für die Sitzung des Ausschusses für Bildung und Kultur am 12.06.2014
Status:öffentlichVorlage-Art:Beantwortung von Anfragen
Federführend:40 - Fachdienst Bildung   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Bildung und Kultur zur Kenntnis
12.06.2014 
20. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Bildung und Kultur Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:

Die Ratsfraktion der SPD und Bündnis 90/Die Grünen bitten die Verwaltung um die Beantwortung der folgenden Fragen:

 

Vorbemerkung:

Im Sinne der Begleitung und Förderung gelingender individueller Bildungsbiografien von Kindern sind formelle, schulisch organisierte Lernarrangements und nicht-formelle Lern-, Erfahrungs- und Bildungsarrangements eng aufeinander abzustimmen. Dabei sind die Bereitschaft und Fähigkeit zu fördern, für sich allein wie auch gemeinsam mit anderen zu lernen und Leistungen zu erzielen. Die Schülerinnen und Schüler sollen zunehmend selbstständiger werden und lernen, ihre Fähigkeiten auch nach Beendigung der Schulzeit weiterzuentwickeln (§ 2 NSchG).

Mit dem Ziel soziale Benachteiligungen auszugleichen und / oder zu überwinden ist es sinnvoll jungen Menschen sozialpädagogische Hilfen anzubieten insbesondere dann, wenn diese in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind. Schulsozialarbeit als sozialpädagogisches Angebot in der Schule hat das Ziel vor allem präventiv einzuwirken und nicht nur zu intervenieren.

Seit Jahren gibt es bundesweit unterschiedlichste Anstrengungen und Ansätze, Schulsozialarbeit an Schulen zu etablieren. Diese Aufgabe grundsätzlich eine schulische Angelegenheit und damit Landesaufgabe. Im Zuge des Gesetzgebungsprozesses zum Bildungs- und Teilhabepaket geriet die Schulsozialarbeit immer mehr in den Fokus der politischen Debatten. Über das Bildungs- und Teilhabepaket wurden den Kommunen befristet bis zum 31.12.2013 Bundesmittel zur Verfügung gestellt. An den Grundschulen der Stadt Salzgitter konnten daher Schulsozialarbeiterinnen und schulsozialarbeiter  eingestellt werden. Der Wegfall der Bundesmittel forderte die Stadt Salzgitter auf, die Bedarfe für soziale Arbeit an Grundschulen neu zu betrachten und zu bewerten.

 

Dem guten Erfolg der präventiven Beratungs- und Unterstützungsangebote der Schulsozialarbeit an den Grundschulen Rechnung tragend, hat sich die Stadt Salzgitter entschlossen durch freiwillige Leistungen den Wegfall der Mittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zu kompensieren und acht Schulsozialpädagoginnen und Schulsozialpädagogen dauerhaft weiter zu beschäftigen.

 

Dieses vorausgeschickt, beantworte ich die Fragen wie folgt:

 

 

Frage 1:

An welchen Schulen Salzgitters sind Sozialpädagoginnen und Pädagogen tätig?

 

Antwort der Verwaltung:

Innerhalb der Stadt Salzgitter gibt es vier unterschiedliche Formen von Sozialpädagogik an Schulen.

  1. Das Land Niedersachsen hat den Bedarf für Schulsozialpädagoginnen und Schulsozialpädagogen an einzelnen Schulen festgestellt. Diese Schulsozialpädagoginnen und Schulsozialpädagogen sind bei der Landesschulbehörde angestellt. Schulsozialpädagoginnen und Schulsozialpädagogen des Landes sind an folgenden Schulen zu finden: Grundschule Dürerring, Hauptschule Am Fredenberg, Dr.-Klaus-Schmidt-Hauptschule, Gottfried-Linke Realschule, Realschule Salzgitter Bad, Kranich-Gymnasium, Berufsbildende Schule Fredenberg.

 

  1. Die Stadt Salzgitter beschäftigt acht Schulsozialpädagoginnen und Schulsozialpädagogen, die vornehmlich an den Grundschulen Am See, Am Ziesberg mit der Außenstelle Waldschule, Altstadtschule, Am Fredenberg, Hallendorf, Kranichdamm, Ostertal mit der Außenstelle Salder, Steterburg, Thiede und an der IGS Lebenstedt präventiv arbeiten und die Schülerinnen und Schüler unterstützen ihre Sozialkompetenzen zu erweitern.

 

  1. Parallel dazu ist sind 2,5 weitere Schulsozialpädagoginnen / Schulsozialpädagogen - Stellen für die Profilierung an Hauptschulen geschaffen worden. Diese städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind an den Hauptschulen Amselstieg, An der Klunkau, Thiede, Am Gutspark und Dr.- Klaus-Schmidt tätig. Die Kosten für das Personal und die Ausgaben für Beschaffungen im Rahmen der Ausgestaltung dieser Stellen werden in Form einer Projektförderung (zunächst bis 31.12.2014) als Festbetragsfinanzierung vom Land erstattet. Im April 2014 hat das Land Niedersachsen die Fortsetzung des Hauptschulprofilierungsprogramms bis 2016 finanziell abgesichert. Die Teilnahme an diesem Programm ist freiwillig und muss durch die Stadt Salzgitter erneut beantragt werden.

 

  1. Der Trägerverein der Heinrich-Albertz-Schule e.V. hat für die gleichnamige Schule eine Stelle für eine/n Schulsozialpädagogin /Schulsozialpädagogen geschaffen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Frage 2:

Wie viele sind der Trägerschaft des Landes, der Kommune, wie viele den freien Trägern der Jugendhilfe zugeordnet?

 

Antwort der Verwaltung:

 

Trägerschaften

Land

Stadt Salzgitter

Freie Träger der Jugendhilfe

 

Trägerverein Heinrich-Albertz-Schule e.V.

Anzahl der Sozialpädagoginnen, der Sozialpädagogen

 

8

 

8

 

0

 

1

Profilierung an Hauptschulen

 

2,5

 

 

 

 

 

Frage 3:

Wie viele Schulsozialpädagoginnen und Schulsozialpädagogen sind an mehreren Schulen eingesetzt? Wie hoch ist der Stundeneinsatz an den einzelnen Schulen? Welche Schulen sind das? Hat sich der stundenweise Einsatz bewährt? Welche sind die Nachteile?

 

Antwort der Verwaltung:

Diese Frage wird getrennt nach Zuständigkeiten beantwortet.

 

Schulsozialarbeit des Landes

chentliches Stundenkontingent

(Angaben ohne Rüstzeiten, da nicht bekannt)

GS Dürerring

30

HS Am Fredenberg

19,25

Dr. Klaus-Schmidt

15

Gottfried-Linke-RS

19,25

RS Salzgitter-Bad

20

Kranich-Gymnasium

32

Gymnasium Salzgitter Bad

40

BBS Fredenberg

39,8

 

Schulsozialarbeit anderer Träger

chentliches Stundenkontingent

(Angaben ohne Rüstzeiten, da nicht bekannt)

Trägerverein Heinrich- Albertz-Schule e.V. für die Heinrich-Albertz-Schule

39

 

Weitere Angaben liegen der Stadt Salzgitter nicht vor.

Schulsozialarbeit der Stadt Salzgitter

Derzeitige wöchentliche Präsenzzeiten an Schulen; ohne Rüstzeiten

GS Altstadtschule

6

GS Am See

24

GS Am Ziesberg/ Außenstelle Waldschule

20

GS Am Fredenberg

30

GS Hallendorf

11

GS Kranichdamm

30

GS Ostertal/       Außenstelle Salder

19

GS Steterburg

7,5

GS Thiede

15

GS Wiesenstraße

24

IGS Lebenstedt

30

Projektarbeit an einzelnen Schulen

22

 

 

 

 

Profilierung an Hauptschulen Schulsozialarbeit der Stadt Salzgitter

Derzeitige wöchentliche Präsenzzeiten an Schulen; ohne Rüstzeiten

HS An der Klunkau

15

HS Thiede

15

HS Amselstieg

15

HS Am Gutspark

15

Dr.-Klaus-Schmidt-HS

15

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In den Angaben zu den Präsenzzeiten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Salzgitter sind nicht die Rüstzeiten enthalten. Zu den Rüstzeiten zählen z.B. die Organisation und Vorbereitung der Ferienbetreuung, besonderer Trainings und Einzelberatungen, Teambesprechungen, Fallberatungen, Hausbesuche, Eltern- und Jugendamtsgespräche, Dokumentationen, Elternabende, Fortbildungen. Die Rüstzeiten stehen in enger Verbindung mit den jeweiligen, schulspezifischen Aufgabenstellungen. Allen städtischen Schulsozialpädagoginnen und Schulsozialpädagogen stehen insgesamt 96 Rüstzeitstunden zur Verfügung.

 

Im Grundschulbereich sind insgesamt sechs Schulsozialpädagoginnen und Schulsozialpädagogen der Stadt Salzgitter in der Regel an zwei Schulen eingesetzt. Die Einsatzzeiten variieren je nach Bedarf der Schule und sie werden je Schulhalbjahr bedarfsgerecht festgesetzt. Freiwerdende Stundenkapazitäten stehen den Schulen zur Projektarbeit zur Verfügung.

 

Der stundenmäßige Einsatz hat sich bewährt, da auch Schulen, an denen Schulsozialdagogik nicht „fest“ verankert ist, von der zuvor genannten Projektarbeit profitieren können. Schulen wie z.B. die Grundschule in Ringelheim, die Grundschule St. Michael, die Grundschule Lichtenberg, die Grundschule Am Gutspark, die Realschule in Gebhardshagen und das Gymnasien Am Fredenberg werden z.B. durch diese Projektarbeit erreicht.

 

Als Nachteil kann genannt werden, dass dieses System einen etwas höheren Koordinationsaufwand erfordert.

 

 

Frage 4:

Welchen Aufgabenbereich der Schulsozialarbeit haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Schulen zu erfüllen, wer ist zuständig für das Gesamtkonzept? Wer ist weisungsbefugt?

 

Antwort der Verwaltung:

r Schulsozialpädagoginnen und Schulsozialpädagogen mit Anstellungsvertrag beim Land, ist das Land in der alleinigen organisatorischen, weisungsrechtlichen und konzeptionellen Verantwortung (siehe auch  Frage 1, Antwort 1A).

r die Schulsozialpädagoginnen und Schulsozialpädagogen, die bei der Stadt Salzgitter in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, ist die Stadt organisatorisch und weisungsrechtlich verantwortlich.

Zu den Aufgaben von Schulsozialpädagoginnen und Schulsozialpädagogen, gehört es vornehmlich präventiv zu arbeiten und die Schülerinnen und Schüler bei der Erweiterung ihrer Sozialkompetenzen zu unterstützen.

Die Schulsozialpädagoginnen und Schulsozialpädagogen nach dem Landesprogramm „Profilierung der Hauptschulen“ sollen vorwiegend Schülerinnen und Schüler gezielt bei Maßnahmen der Berufsorientierung und Berufsbildung unterstützen. Sie stärken und fördern die Mädchen und Jungen und tragen so dazu bei, dass diese den Anforderungen und Erwartungen der Berufs- und Arbeitswelt gewachsen sind (siehe auch Frage 1, Antwort 1 C).

Die Stadt Salzgitter ist für ihren Zuständigkeitsbereich konzeptionell verantwortlich (siehe auch Frage 1, Antworten 1 B und 1 C). In enger Abstimmung mit den jeweiligen Schulen gehören folgende konzeptionelle Kernbereiche zum Aufgabenfeld der Schulsozialpädagoginnen und Schulsozialpädagogen.

  • Verbesserung der Möglichkeiten zur Teilhabe an Bildung
  • rderung der Persönlichkeitsentwicklung von Schüler/-innen
  • rderung von Sozialkompetenzen:
    • Konfliktfähigkeit (Entwicklung konstruktiver Konfliktlösungen)
    • Kommunikationsfähigkeit
    • Interkulturelle Kompetenzen
    • Verbesserung des Schulklimas
    • Unterstützung bei Krisen in Schule, Familie und Peergroup
    • Beratung von Lehrerinnen und Lehrern in sozialpädagogischen Fragen
    • Vermittlung zwischen Elternhaus und Schule bei Konflikten
    • Motivierung von Eltern zur Mitwirkung an Schule
    • rderung der Erziehungskompetenz von Eltern
    • Vermittlung von Schüler/-innen und Eltern in außerschulische Fachinstitutionen
    • rderung der Berufs- und Lebensplanung
  • Ggf. Verankerung sozialpädagogischer Inhalte im Schulprogramm-, -profil, -konzept
  • Unterstützung der Schule bei der Klärung in Fragen zum Verdacht bei Kindeswohlgefährdung
  • Vernetzung und Öffnung der Schule im Sozialraum

 

 

Frage 5:

Gibt es allgemeine Qualitätsstandards und verbindliche Rahmenbedingungen für die Soziale Arbeit an Schulen?

 

Antwort der Verwaltung:

r die soziale Arbeit an Schulen gibt es durch das Land Niedersachsen keine allgemeingültigen Qualitätsstandards und verbindliche Rahmenbedingungen, die für die Stadt Salzgitter richtungsweisend oder bindend sind.

 

r ihren Zuständigkeitsbereich hat die Stadt Salzgitter eigene Qualitätsstandards formuliert und verbindliche Rahmenbedingungen für die Arbeit von Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen an Schulen eingeführt. So wurden beispielsweise Zuständigkeiten für Besprechungen, das Führen von Protokollen, die Berücksichtigung von Datenschutz, die Organisation von Aktenführungen, der Einsatz von Einzelfallmethoden, der Umgang mit Verdachtsfällen „Kindeswohl“, die Organisation von Fortbildungen und das dazugehörige Wissensmanagement und die Einarbeitung von neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geregelt.

 

 

Frage 6:

Ist es richtig, dass Schulsozialpädagoginnen und Schulsozialpädagogen für Vertretungsunterricht in den Schulen eingesetzt werden (Bericht während des „Jugendschöffentages“ am 27.03.2014)?

 

Antwort der Verwaltung:

Die bei der Stadt beschäftigten Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter werden nichtr Vertretungsunterricht in den Schulen eingesetzt.

 

 

Frage 7:

An welchen Schulen besteht eine Kooperation mit der Polizei, der Jugendhilfe bzw. der Jugendgerichtshilfe?

 

Antwort der Verwaltung:

Eine Kooperation zwischen Schulsozialarbeit und Jugendhilfe besteht immer dann, wenn dies der Einzelfall erfordert. Demzufolge können Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter aller Schularten bei Bedarf in Hilfeverläufe und Hilfeplanverfahren eingebunden werden und / oder selbstständig Kontakt z.B. mit dem Jugendamt aufnehmen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt arbeiten hier eng zusammen.

 

Eine Kooperation mit der Polizei ergibt sich für die Schulsozialpädagoginnen und Schulsozialpädagogen an Grundschulen in der Regel bei gemeinsamen Präventionsprojekten (z. B. zum Thema „Diebstahl, Sachbeschädigung, u.a.“).

 

Im Sekundarbereich I finden mit der Polizei und der Jugendgerichtshilfe ebenfalls unterschiedlichen Präventionsveranstaltungen (z. B. zum Thema Cyber-Mobbing) statt. Hier arbeiten die Schulsozialpädagoginnen und Schulsozialpädagogen bei Bedarf mit der Polizei, dem Fachdienst 51 u.a. der Jugendgerichtshilfe, auch einzelfallbezogen zusammen.

 

Eine weitere Kooperation gibt es mit der „Salto-Suchthilfe“.