Vorlage - 0918/17

Betreff: Bildungsregion Salzgitter
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilungsvorlage
Federführend:Dezernat IV Beteiligt:48 - Referat Integration und Fachkräftesicherung
    40 - Fachdienst Bildung
Beratungsfolge:
Ausschuss für Bildung und Kultur zur Kenntnis
03.08.2017 
7. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Bildung und Kultur Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   
Jugendhilfeausschuss zur Kenntnis
17.08.2017 
8. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Jugendhilfeausschusses Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   

Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Mitteilung:
 

  1. Sachverhalt

 

Der Leitlinienprozess der Stadt Salzgitter legt sich auf eine konsequente, zielgerichtete Kinder-, Familien- und Bildungspolitik fest und verknüpft diese mit bestimmten messbaren Zielen.

Auch der Deutsche Städtetag identifiziert Bildung und die damit verknüpfte Teilhabe in seinen Aachener und Münchener Erklärungen als zentrale Zukunftsstrategie der Kommunen. Hierin wird den Kommunen die maßgebliche Verantwortung für Bildung und die Rolle eines als „Impulsgebers“ für eine Bildungsentwicklung vor Ort zugeschrieben. Dazu solle ein dauerhaftes Bildungsmanagement und Bildungsmonitoring etabliert werden, dass Vernetzung unter Berücksichtigung der örtlichen Besonderheiten vorantreibt. Förderprogramme von Bund und Land sind dabei zu bündeln und mit kommunalen Strukturen zu verzahnen, so dass keine Parallelstrukturen aufgebaut werden.

 

Seit der Verabschiedung des Leitlinienprozesses im Jahr 2011 haben sich allerdings auch wesentliche Rahmenbedingungen geändert. Das in den Leitlinien formulierte Konzept der Bildungslandschaften ist über das Förderprogramm „Bildungsregionen“ vom Land Niedersachsen in ähnlicher Form aufgelegt worden.

Salzgitter selbst ist nicht nur von einer überalterten und schrumpfenden Stadt zu einer schnell wachsenden geworden, sondern auch in bundesweit beispielloser Weise von den mit der Integration von Flüchtlingen verbundenen Herausforderungen betroffen. Die Ziele und insbesondere Maßnahmen müssen stetig angepasst werden. Insbesondere aber muss ein schonender Interessenausgleich erfolgen. Die Interessen der Herkunftsgesellschaft müssen bei Integrationsaufgaben mitgedacht und angemessene Beteiligung sichergestellt werden.

 

Salzgitter unterstützt diesen Ansatz und führt Bundes- und Landesinitiativen unter kommunaler Führung zu einer gemeinsamen Struktur zusammen, die den Aufbau der Bildungslandschaft und die Integration Neuzugewanderter fördern sollen. Dazu beteiligt sich Salzgitter am ESF-Programm „Bildung Integriert“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), am Bundesprogramm „Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte des BMBF und an dem Niedersächsischen Landesprogramm „Bildungsregionen“.

 

  1. Ziele

 

In Salzgitter muss insbesondere die besondere Situation berücksichtigt werden, die sich durch den bundesweit einmalig starken Zuzug von Geflüchteten ergibt. Ihre Teilhabe an der Stadtgemeinschaft, an Bildung und dem Berufsleben stößt auf besondere sprachliche, kulturelle und wirtschaftliche Barrieren.

 

Ergänzend und übereinstimmend mit den übergeordneten Zielen des Leitlinienprozesses werden deshalb insbesondere folgende bildungspolitischen Ziele verfolgt:

 

-          Vorhalten eines lebenslaufbezogenen, abgestimmten Bildungsangebotes und Erhöhung von Bildungsgerechtigkeit durch Förderung von Bildungsbeteiligung und Bildungsstand. Die Arbeitsmarktchancen aller Geschlechter sollen über erfolgreiche Bildungsbiographien unterstützt werden.

-          Bereichsübergreifende Begleitung der Lernenden mit einem bereichsübergreifenden Beratungsangebot. Eine geschlossene Spracherwerbskette ist hier der Schwerpunkt. Zielgruppe sind dabei insbesondere die Flüchtlinge.

-          Passgenaue Angebote zur Teilhabe für Bürgerinnen und Bürger in jeder Lebensphase. Zielgruppe sind hier insbesondere Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund.

-          Mitwirken an den Rahmenbedingungen für Bildung, Aus- und Weiterbildung am Wirtschaftsstandort Salzgitter.

-          Bedarfsgerechte Betreuung und Förderung von Kindern, insbesondere im frühkindlichen und vorschulischen Bereich.

-          Die Zahl der Jugendlichen ohne Bildungsabschluss soll verringert werden.

-          Übergangsgestaltung von der KiTa bis zum Beruf oder zum Studium

-          Schaffung von Lernräumen für das informelle Lernen

-          Ständige Analyse der Lebenssituation von Mädchen, Jungen, Frauen, Männern, Migranten und Menschen mit Behinderung zur Förderung von Inklusion, Integration, Gleichstellung und Teilhabe.

-          Förderung des gleichberechtigten Miteinander und Lernens von Jung und Alt

 

Zur Umsetzung dieser Ziele wird ein Bildungsmonitoring aufgebaut, dessen Daten in einem Bildungsbericht zusammengeführt und fortgeschrieben werden.

Strategie, operative Ziele und Schwerpunkte werden auf der Grundlage von erhobenen Daten und im Bildungsbericht verfolgter Indikatoren formuliert und ggf. angepasst.

 

 

 

  1. Förderung

 

Das Ziel der Bündelung von Initiativen sind nachhaltige, aufeinander abgestimmte Maßnahmen.

Im Rahmen des Programmes „Bildung Integriert werden für den Zeitraum 1.10. 2015 bis 30.9. 2018 zwei Stellen zu 50% gefördert. Eine Verlängerung der Förderperiode bis zum 30.9.2020 ist bereits in Aussicht gestellt, muss aber noch beantragt werden. Es wird angestrebt, auf der Basis der Integrierten Sozialraumanalyse ein datenbasiertes Bildungsmonitoring mit einem Bildungsbericht zu etablieren. Ziel ist es, den ersten Bericht der Verwaltung 2018 zur Verfügung zu stellen. Aus der Datenlage abgeleitete bildungspolitische Handlungsstrategien sollen gemeinschaftlich mit allen betroffenen städtischen und nicht-städtischen Akteuren umgesetzt werden. Die dazu erforderliche Vernetzung soll über ein geschäftsführendes Element (Bildungsmanagement) gefördert werden. Reise- und Fortbildungskosten und bestimmte Sachkosten (z.B. Software) werden durch den Bund erstattet.

 

Salzgitter hat sich darüber hinaus erfolgreich für das Förderprogramm „Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung beworben. Hier soll speziell der Spracherwerb für nicht mehr schulpflichtige Flüchtlinge konzeptionell hinterlegt sowie die Qualität der Sprachförderung und Berufsorientierung weiterentwickelt werden. Konkret steht hier im Vordergrund, durch Kooperation mit Bildungsträgern sowie BAMF insbesondere das mangelhafte Angebot von Integrationskursen dem Bedarf anzunähern.

Der Bund finanziert eine Vollzeitstelle zu 100% zunächst für den Zeitraum vom 1.1.2017 bis zum 31.12. 2018 sowie Reise- und Fortbildungskosten.

 

Über das Förderprogramm „Bildungsregionen“ hat das Land Niedersachsen seit dem 1.8.2016 eine Lehrkraft mit 20 Wochenstunden für zunächst drei Jahre abgeordnet. Ziel ist es, als Schnittstelle zum Land die Einbindung schulischer Akteure, die Umsetzung von Vorhaben und die Entwicklung gemeinsamer Ziele zu erleichtern.

Sie dient auch als Schnittstelle zu dem durch das Land Niedersachsen für die Region eingerichteten Sprachbildungszentrum. Die Sprachbildungszentren gehören zur Landesschulbehörde und beraten Schulen bei der Sprachförderung. Die als „Bildungskoordinatorin“ zur Stadt Salzgitter abgeordnete Lehrkraft wird das Bildungsmanagement vorwiegend in den Bereichen unterstützen, wo schulische Akteure eingebunden werden müssen.

 

  1. Projektumsetzung

 

Um eine ressortübergreifende kommunale Strategie zu entwickeln und Initiativen hinsichtlich Ihres Nutzens für die Stadt gemeinsam zu bewerten und zu bündeln, ist eine Steuerungsstruktur notwendig. Die Organisationsstruktur gliedert sich im Wesentlichen in die Projektleitung, ein begleitendes Gremium mit der Landesschulbehörde und eine verwaltungsinterne Querschnittsarbeitsgruppe. Weitere nachgeordnete Arbeitsgruppen sind derzeit nicht geplant. Es ist vorgesehen, sich auf bereits existierende Vernetzungsformate abzustützen und Strategien in diesem Kontext umzusetzen. Ergebnisse fließen kontinuierlich in die Arbeit der Fachdienste ein und werden so auch in die Netzwerke getragen.

Die geförderten Stellen innerhalb der Steuerungsgruppe haben dabei folgende Schwerpunkte:

-          Bildungsmanagement: Organisationsaufgaben, Koordinierung von Modellprojekten, Vorhaben ohne direkten Bezug zu schulischen Akteuren oder zu Bildungsträgern im Rahmen des Spracherwerbs sowie der beruflichen Integration nicht mehr schulpflichtiger Neuzugewanderter

-          Bildungskoordinatorin (Bildungsregionen): Umsetzung von Maßnahmen mit Bezug zu schulischen Akteuren und/oder zur Landesschulbehörde

-          Bildungskoordinatorin Neuzugewanderte: Umsetzung von Integrationsmaßnahmen mit Bezug zu privaten Bildungsträgern und/oder dem BAMF

Ergänzend soll ab Frühjahr 2018 im Rahmen eines jährlichen Fachtages der Kontakt zur Interessengemeinschaft der Schulleitungen, Elternvertretungen, Schulsozialarbeit, Verbände, Stadtrat und Politik genutzt werden, um sich auf eine gemeinsame Strategie und ggf. Maßnahmen im bildungspolitischen Bereich zu verständigen. Der Bereich Berufsorientierung und Übergang in den Beruf wird dabei separat betrachtet werden müssen, da hier einerseits mit BONA bereits Strukturen vorhanden sind und andererseits der Kreis der Akteure sowie Themen nicht völlig deckungsgleich sein werden.

 

 

Die Verwaltung bittet um Kenntnisnahme.         

                    

Anlagen:

Organigramm Bildungsregion Salzgitter

 

                    

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Organigramm (221 KB) PDF-Dokument (208 KB)