Vorlage - 1321/17

Betreff: Windenergie in der Stadt Salzgitter
Status:öffentlichVorlage-Art:Anfrage M.B.S.-Ratsfraktion
Federführend:M.B.S.-Ratsfraktion   
Beratungsfolge:
Rat der Stadt Salzgitter zur Kenntnis
20.12.2017 
14. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Salzgitter Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   

Sachverhalt
Anlage/n

Anfragen:
 

Die M.B.S.-Ratsfraktion bittet die Verwaltung um Beantwortung folgender Fragen:

 

1. Wann wurden die einzelnen Anlagen in Betrieb genommen und wie sieht die

    Nachnutzung aus?

 

2. Wie sieht die Verwaltung die Nachnutzung in Bezug zum Sachverhalt?

 

 

Sachverhalt:

 

In Salzgitter gibt es mind. 4 Standorte mit insgesamt 49 Windrädern.

(Quelle: Klimaschutzkonzept Stadt Salzgitter 2013)

Der größte Windpark in Lesse mit 23 Anlagen und einer Leistung von 44.100 kW, der zweitgrößte in Sauingen mit 16 Anlagen und 22.900 kW.

Installierte Nennleistung 76.350 kW mit einer jährlichen Stromerzeugung von 139.568 MWh.

Umgerechnet auf jeden Einwohner entspricht das ca. 1.395 kWh

ausreichend um den Strombedarf allerrger in Salzgitter zu decken.

In den nächsten Jahren erreichen einige WEA (Windenergieanlagen, Windkraft­anlagen) das 20. Betriebsjahr. Zum Weiterbetrieb ist eine Verlängerung der Betriebs­erlaubnis mit einem entsprechenden Gutachten notwendig. Die Wartungs- und Reparaturkosten steigen mit dem Anlagenalter und ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb wird zunehmend schwieriger.

Mehrere Windräder in Salzgitter werden im nächsten Jahrzehnt vermutlich abgebaut, weil ihre staatliche Förderung ausläuft. Wenn die Strompreise in der nächsten Dekade nicht steigen, werden sich nur wenige Anlagen ohne Förderung am Markt behaupten, heißt es in einer Analyse des Berliner Fachberatungsunternehmens Energy Brainpool.

Diese Einschätzung wird von den meisten Fachleuten geteilt. “Auf jeden Fall ist ab 2020 mit der Abschaltung von Bestandsanlagen in mehr oder weniger großem Umfang zu rechnen“, heißt es in einem Artikel mehrerer Ökonomen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig in der Zeitschrift “Wirtschaftsdienst“.

Der Knackpunkt ist der Strompreis von 2021 an, den heute noch niemand kennt. Die alten Windkraftanlagen, deren Rotoren sich seit 20 Jahren oder länger drehen, verlieren zwar ihre Förderung nach dem Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG), aber nicht ihre Betriebserlaubnis. Sie könnten weiterarbeiten, wenn es sich lohnt.

Wie alle älteren Maschinen sind aber auch Windkraftwerke nach 20 Jahren verschleiß anfällig für Reparaturen und wartungsintensiver als neue Anlagen. Ihre Betriebskosten sind höher. Der aktuelle Strompreis von rund drei Cent je Kilowattstunde dürfte nicht reichen, um die Anlagen in Betrieb zu halten - vielleicht mit ein paar Ausnahmen an besonders guten Standorten.

Hintergrund: Problematik (Repowering)

Ein Nachweis der Standsicherheit wird mit größerer Windparkdichte schwieriger. Das Problem war eigentlich lange Zeit in Deutschland nur auf wenige besonders dicht mit Windturbinen bebaute Regionen beschränkt: Im Nachlauf der Windturbinen, also hinter den in eine Luftströmung gestellten Windenergie-Rotoren, entstehen bedeutende Luftverwirbelungen. Diese können dahinter platzierte andere Windenergieanlagen derart unsteten und wechselnden Lasten aussetzen, dass diese Bestandsanlagen schlimmstenfalls ihren Halt verlieren. Kein Problem stellte das Phänomen dar, solange die nächsten Windturbinen hinter der neuen Anlage vom selben Hersteller stammten. Denn der konnte alle Standsicherheitsnachweise dieser Bestandsanlagen mit dem Zugriff auf alle Fabrik- und Betriebsdaten schnell neu berechnen.