Vorlage - 1554/17-AW

Betreff: Anfragenbeantwortung i. S. Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung, Anfrage der FDP-Ratsfraktion vom 23.01.2018 in der Ratssitzung vom 31.01.2018
Status:öffentlichVorlage-Art:Beantwortung von Anfragen
Federführend:51 - Fachdienst Kinder, Jugend und Familie   
Beratungsfolge:
Rat der Stadt Salzgitter zur Kenntnis
31.01.2018 
15. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Salzgitter Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   

Sachverhalt
Anlage/n

Mitteilung:
 

Die FDP-Ratsfraktion bittet um die Beantwortung der Frage, ob sich die Stadt Salzgitter um die Förderung des Bundes bei dem Programm „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“ beworben hat.

Falls ja, hat die Stadt eine Förderung erhalten, wie hoch ist  die Förderung?  Wurden durch die Förderung neue Fachkräfte für die Umsetzung des Programms eingestellt und welche anderweitigen Projekte wurden durch die Förderung verwirklicht?

Falls nein, warum ist eine Bewerbung nicht erfolgt?

 

Hintergrund:

Seit April 2017 fördert die Bundesregierung mit dem genannten Programm niedrigschwellige Angebote für Familien, die bisher nicht oder nur unzureichend vom System der frühkindlichen Bildung erreicht werden. An rund 200 geförderten Standorten sollen im Rahmen des Bundesprogramms vielfältige Wege und Angebote erprobt und umgesetzt werden. Die einzelnen Standorte erhalten dafür bis Ende 2020 eine Förderung von bis zu 150.000 Euro pro Jahr für eine Koordinierungs- und Netzwerkstelle, Fachkräfte für die Umsetzung der Angebote sowie als zusätzliche Projektmittel.

Gute Kindertagesbetreuung ermöglicht gleiche Chancen für alle Kinder.

Doch bisher profitieren leider auch in Salzgitter nicht alle Familien gleichermaßen von Kindertagesbetreuung als Form der frühen Bildung. Das soll sich ändern: Auch Kindern, die bisher nicht oder nur unzureichend von der Kindertagesbetreuung erreicht wurden, soll der Einstieg in das System der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung erleichtert werden. Dieser Brückenbau in die frühe Bildung ermöglicht gleiche Startbedingungen für den sich anschließenden Bildungsweg der Kinder.

Die Antwort der Verwaltung lautet wie folgt:

 

Die Stadt Salzgitter hat sich um die Förderung des Bundes bei dem Programm „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“ beworben und bis 2020 Fördergelder in Höhe von 538.410,00 bewilligt bekommen. Derzeit wird aus aktuellem Anlass an einem Änderungsantrag gearbeitet, die Finanzierung bleibt weiterhin gesichert.

Ziel des Projektes ist es, Familien mit besonderen Zugangshürden ins Bildungssystem, wie  benachteiligte Familien, Flüchtlings- und Migrantenfamilien die Teilhabe an Bildung zu ermöglichen. Ein niederschwelliges frühpädagogisches Angebot soll den Zugang zur Kita erleichtern und den Einstieg in das Regelsystem vorbereiten.

Im Rahmen der Projektrichtlinien sind für die Umsetzung des Projektes folgende Angebote entwickelt worden:

1.Ein niedrigschwelliges frühpädagogisches Angebot, das additiv zum bestehenden Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsangebot für Kinder und ihre Familien entwickelt, erweitert und erprobt wird mit dem Ziel, den Weg in das Regelangebot der Kindertagesbetreuung vorzubereiten.

2.Eine Qualifizierungsmaßnahme für pädagogische Fachkräfte sowie weitere Personen.

 

Zu 1.) Das neu geschaffene Spielkreisangebot für Kinder im Alter von 1-3, bzw. 3-6 Jahren,  und deren Eltern, orientiert sich an den spezifischen Bedürfnissen der oben beschriebenen Zielgruppe und hat einen hohen vorbereitenden und integrativen Charakter. Den räumlichen Bedingungen angepasst werden in den Spielkreisen bis zu 12 Kinder  betreut. Eine Betreuungszeit von 3 x 3 Stunden in der Woche  wird angeboten.  An einem Tag werden die Eltern zur Teilnahme am Spielkreis eingeladen, um sie erleben zu lassen, wie Kinder angeleitet und gefördert werden können.  Begleitende Elterngespräche mit unmittelbarem lebenspraktischem Bezug, Förderung eines Erfahrungsaustausches und Netzwerkbildung der Eltern untereinander und gegenseitige Unterstützung sind ebenfalls intendiert. 

Pädagogische Ziele des Spielkreises:

• Vorbereitung auf den Besuch einer Kita bzw. Grundschule

• Kennenlernen von strukturierten Abläufen und erzieherischen Angeboten

• Alltagsintegrierte Förderung der Sprache im angeleiteten Miteinander und  

  pädagogischem Handeln im Spielkreis

• Förderung der motorischen, kognitiven und sozial-emotionalen Entwicklung der  

  Kinder

Sozialraumorientiert wurden 6 Spielkreisangebote in freier Trägerschaft geschaffen, in denen z.Zt. 62 Kinder betreut werden. 

-          Mütterzentrum 10 Kinder

-          Famz. KunterBund 12 Kinder

-          St. Hedwig, 8 Kinder

-          Famz. Christ-König 8 Kinder

-          Awista, 12 Kinder, ab Anfang 2018 2. Spielkreis 12 Kinder

 

Die Spielkreisangebote werden vom SOS Kinderdorf e.V., der Kirchengemeinde Noah, der Kath. Familienbildungsstätte und der AWO Salzgitter/Wolfenbüttel e.V. als Träger vorgehalten. Hierfür wurden insgesamt 16 neue Kräfte eingestellt, deren Qualifikation von Erzieherin/Erzieher bis zur ungelernten Honorarkraft reicht. Neben den Personalkosten werden auch Verwaltungs- und Sachkosten gefördert.

Die Arbeit der Spielkreise wird gestärkt durch die Patenschaft zu einer jeweiligen „Anker-Kita“ des Trägers.  Fachlicher Austausch sowie gemeinsame Aktionen mit den Kindern werden integrativ implementiert. Die Bereitstellung von Räumlichkeiten erfolgt in den Kitas, zu Zeiten in denen die Räume nicht genutzt werden oder in nahegelegenen Gemeindehäusern bzw. Stadtteiltreffs

Die infrage kommenden Kinder/Familien sind in den Wartelisten der Kitas erfasst, sie können aber auch von Initiativen in den Stadteilen oder von Sozialarbeitern (ASD) in den Bezirken  an die Koordination des Projektes gemeldet werden.

Das beschriebene Angebot unterstützt die Stadt in ihren Bemühungen, Familien in ihrer besonderen Lebenssituation zu stabilisieren und die gesellschaftliche Integration zu erleichtern.

 

Zu 2.) Qualifizierungsmaßnahmen für die Schulung von Fachkräften mit Migrationshintergrund bzw. Fluchterfahrung, mit ausreichend  deutschen Sprachkenntnissen.

Das Angebot richtet sich an interessierte Personen, die mindestens zwei Sprachen sprechen, Interesse an der Arbeit mit Kindern haben, kontaktfreudig und neugierig sind. Die qualifizierten Teilnehmer können in Spielkreisen, Rucksackgruppen, u.U. in Kitas eingesetzt werden. Perspektivisch soll ein Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglicht werden, z.B. als Vorbereitung auf eine Ausbildung in der Tagespflege.

Diese Qualifizierung ist konzipiert für Teilnehmer_innen mit Migrationshintergrund bzw. Fluchterfahrung, die über ausreichende  deutsche Sprachkenntnisse verfügen.  Aufgrund ihrer Mehrsprachigkeit könnte dieser Personenkreis eine Mittlerfunktion zu Familien mit anderem kulturellen Hintergrund in unseren frühkindlichen Bildungseinrichtungen einnehmen.

Die Schulung hat im Oktober 2017 begonnen, umfasst 76 Unterrichtsstunden und schließt mit einer Prüfung und einem Praktikum in Kitas Anfang März 2018 ab. 

In verschiedenen Modulen werden Grundlagen der frühkindlichen Erziehung und Bildung, pädagogische und interkulturelle Inhalte vermittelt, durch reflexive Einheiten das eigene Erziehungsverhalten überdacht und auf die praktische Arbeit mit Kindern vorbereitet.

Neben der inhaltlichen Vermittlung durch Referenten gibt es eine muttersprachliche Kursbegleitung,  deren Aufgabe es ist,  die Teilnehmenden bei der inhaltlichen Erarbeitung der Schulungseinheiten zu begleiten, darüber hinaus  wird eine Kinderbetreuung angeboten.

An der aktuellen Qualifizierungsmaßnahme werden 26 weibliche Teilnehmerinnen und 2 männliche  Teilnehmer mit Migrationshintergrund geschult. 

Zusätzlich kann die Stadt aus Projektmitteln eine Stelle mit 19,5 Wochenstunden zur Netzwerkkoordination vorhalten. Die Ausschreibung ist erfolgt und die Besetzung wird voraussichtlich in Kürze erfolgen. Sie wird inhaltlich an die Jugendhilfeplanung im FD 51 angedockt.