Vorlage - 1784/17

Betreff: Bäder, Sport und Freizeit Salzgitter GmbH; Aufgabe Geschäftszweig Freibadbetrieb in Salzgitter Lebenstedt
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage
Federführend:02.1 - Beteiligungsmanagement und Strategisches Konzerncontrolling   
Beratungsfolge:
Ortsrat der Ortschaft Nord Beschlussvorbereitung
02.05.2018 
15. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ortsrates der Ortschaft Nord abgelehnt   
Wirtschafts-und Steuerungsausschuss Beschlussvorbereitung
17.05.2018 
16. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Wirtschafts-und Steuerungsausschusses Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   
Verwaltungsausschuss Beschlussvorbereitung
Rat der Stadt Salzgitter Entscheidung
23.05.2018 
18. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Salzgitter zurückgestellt   
27.06.2018 
19. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Salzgitter geändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Beschlussvorschlag:

 

Der Vertreter der Stadt Salzgitter in der Gesellschafterversammlung der Bäder, Sport und Freizeit Salzgitter GmbH (BSF) wird angewiesen, wie folgt zu stimmen; ein schriftliches Beschlussverfahren wird alternativ zugelassen:

 

  1. Der Betrieb des Freibades im Bereich des Stadtbades Salzgitter-Lebenstedt wird aufgegeben.
  2. Die Freibadeinrichtungen (Nichtschwimmerbecken und Sprungbecken mit Sprungturm) einschließlich der dazugehörigen Technik werden zurückgebaut.

 

Der Vertreter der Stadt Salzgitter in der Gesellschafterversammlung der Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH Salzgitter (VVS) wird angewiesen, den Vertreter der VVS in der Gesellschaftsversammlung der BSF anzuweisen, gemäß den zuvor aufgeführten Beschlusspunkten zu stimmen; ein schriftliches Beschlussverfahren wird alternativ zugelassen.

                              

Sachverhalt:
 

Gemäß § 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Satz 2 des Gesellschaftsvertrages der BSF ist für die „Aufgabe bestehender Geschäftszweige im Rahmen des Gesellschaftszweckes“ die Zustimmung des Aufsichtsrates und zusätzlich der Gesellschafterversammlung erforderlich.

 

Seit Mitte 2016 werden die Baumaßnahmen des Projektes „Modernisierung und Erweiterung des Hallenfreibades Salzgitter-Lebenstedt“ (ca. 13,2 Mio. €) durchgeführt.

 

Aus diesem Grunde konnte und kann in 2016, 2017 und 2018 kein Freibadbetrieb seitens der BSF angeboten werden. Der bisherige Freibadbereich war und ist nicht Gegenstand des vorgenannten Projektes Stadtbad Salzgitter-Lebenstedt, d.h. hierfür wurden bislang keine weiteren wesentlichen Planungen vorgenommen oder Investitionen berücksichtigt.

 

Nach der zwischenzeitlichen Prüfung der Becken und Anlagen im Außenbereich des Hallenfreibades Salzgitter-Lebenstedt stellt sich die strategische Frage, was mit dem Freibadbereich nach Abschluß der Bauarbeiten des vorgenannten Projektes passieren soll. Vor diesem Hintergrund hat die Geschäftsführung der BSF Lösungsmöglichkeiten erarbeitet und diese dem Aufsichtsrat der BSF vorgelegt.

 

Der Aufsichtsrat der BSF hat die zuvor geschilderte Thematik in seiner Sitzung am 15.03.2018 beraten und die oben genannte Beschlussfassung gefasst bzw. als Empfehlungen an die Gesellschafterversammlung ausgesprochen.

 

Die Geschäftsführung der BSF hat hinsichtlich der verschiedenen Varianten insbesondere nachfolgend aufgeführte Informationen vorgelegt:

 

Die Bäder, Sport und Freizeit Salzgitter GmbH (BSF) betreibt die Bäder in Salzgitter-Bad und Salzgitter-Lebenstedt und die Eissporthalle am Salzgittersee.

Zum Hallenbad in Salzgitter-Lebenstedt gehört das Freibad aus den 60er Jahren. Es besteht aus einem Nichtschwimmerbecken (Wasserfläche ca. 1.220 m², Wassertiefe ca. 0 bis 130 cm) und dem Sprungbecken mit Sprungturm (Wasserfläche ca. 195 m², Wassertiefe 380 cm). Die Becken sind unbeheizt. Das Schwimmerbecken wurde 2003 wegen Einsturzgefahr zurückgebaut und auf dieser Fläche ein Beachvolleyballfeld errichtet.

 

Das vorhandene Freibadangebot ist unattraktiv und technisch veraltet. Seit Beginn der Umbauarbeiten am Hallenbad Mitte 2016 wird das Freibad nicht mehr betrieben. Davor liefen Freibad- und Hallenbetrieb parallel. Die Besucher konnten also Freibad und Hallenbad nutzen. Eine besondere Erfassung der Besucher ist daher nicht möglich gewesen. In den letzten drei Betriebsjahren haben ca. 6.000 Besucher je Saison zusätzlich das Angebot „Freibad“ genutzt. Bei einer gleichen Annahme der Besucherzahlen und den für das Stadtbad Salzgitter-Lebenstedt bislang geplanten Entgelten würden sich je Saison ca. 27.000 Euro Erlöse ergeben.

 

Das neue Stadtbad Salzgitter-Lebenstedt wird ganzjährig betrieben und bietet mit den umfangreichen Wasserflächen attraktive Angebote für alle Altersgruppen einschließlich einer Sprunganlage mit 1m Brett und 3m Turm.

 

Vor diesem Hintergrund wurden für den Entscheidungsvorschlag verschiedene Varianten für einen möglichen Weiterbetrieb des Freibades betrachtet. Die erforderlichen Investitionskosten wurden berechnet und die Folgekosten ermittelt. Bei den Investitionen wurden aus den Erfahrungen des Projektes „Modernisierung und Erweiterung Hallenbad Salzgitter-Lebenstedt“ die durchschnittlichen Kostensteigerungen gesondert ermittelt und ausgewiesen.


Variante 1: Neues Außenbecken in Edelstahl:

Maße 25 x 16 m (400 m² Wasserfläche), Wassertiefe 1,35 m

(höhere Betriebskosten im Vergleich zu Variante 2 durch einen größeren Reinigungsaufwand, weil auch Nichtschwimmer das Becken nutzen können)

Investition

2.200.000 Euro

Preissteigerung (Erfahrungswert 17 %)

2.574.000 Euro

Erlöse (6.000 Besuche)

27.000 €

Betriebskosten

72.500 €

Zinsen

51.000 €

Abschreibung Schwimmbecken (60%) über 20 Jahre

77.000 €

Abschreibungen

Technik (40%) über 10 Jahre

103.000 €

Summe Verlust/Jahr

276.500 Euro

 

 

Variante 2: Neues Außenbecken in Edelstahl

Maße 25 x 16 m (400 m² Wasserfläche), Wassertiefe 1,55 m

Investition

2.250.000 Euro

Preissteigerung (Erfahrungswert 17 %)

2.632.500 Euro

Erlöse (6.000 Besuche)

27.000 €

Betriebskosten

69.500 €

Zinsen

52.000 €

Abschreibung Schwimmbecken (60%) über 20 Jahre

79.000 €

Abschreibungen

Technik (40%) über 10 Jahre

105.000 €

Summe Verlust/Jahr

278.500 €

 

 

Variante 3: Neues Außenbecken in Edelstahl

Maße 25 x 16 m (400 m² Wasserfläche), Wassertiefe 2,00 m

Investition

2.300.000 €

Preissteigerung (Erfahrungswert 17 %)

2.691.000 €

Erlöse (6.000 Besuche)

27.000 €

Betriebskosten

70.500 €

Zinsen

53.000 €

Abschreibung Schwimmbecken (60%) über 20 Jahre

81.000 €

Abschreibungen

Technik (40%) über 10 Jahre

108.000 €

Summe Verlust/Jahr

285.500 €

 


 

Variante 4: Sprungbereich

Neues Becken in Edelstahl - Wassertiefe 3,80 m – 195 m² Wasserfläche

Investition

1.650.000 €

Preissteigerung (Erfahrungswert 17 %)

1.930.500 €

Erlöse (6.000 Besuche)

2.250 €

Betriebskosten

45.600 €

Zinsen

38.000 €

Abschreibung Schwimmbecken (60%) über 20 Jahre

58.000 €

Abschreibungen

Technik (40%) über 10 Jahre

77.000 €

Summe Verlust/Jahr

216.350 €

 

 

Variante 5: Sanierung Bestand Sprungbereich

Sanierung - Wassertiefe 3,80 m – 195 m² Wasserfläche

Investition

1.570.000 €

Preissteigerung (Erfahrungswert 17 %)

1.836.900 €

Erlöse (6.000 Besuche)

2.250 €

Betriebskosten

45.600 €

Zinsen

36.000 €

Abschreibung Schwimmbecken (60%) über 20 Jahre

55.000 €

Abschreibungen

Technik (40%) über 10 Jahre

73.000 €

Summe Verlust/Jahr

207.350 €

 

 

Variante 6: Sanierung Bestand Nichtschwimmerbecken und Sprungbereich

Wasserfläche ca. 1.220 m², Wassertiefe ca. 0 bis 130 cm

Investition

3.500.000 Euro

Preissteigerung (Erfahrungswert 17 %)

4.095.000 Euro

Erlöse (6.500 Besuche)

29.250 Euro

Betriebskosten

118.200 Euro

Zinsen

80.600 Euro

Abschreibung Schwimmbecken (60%) über 20 Jahre

123.000 Euro

Abschreibungen

Technik (40%) über 10 Jahre

164.000 Euro

Summe Verlust/Jahr

456.550 Euro

 


Variante 7: Rückbau Freibad

Bei Aufgabe des Freibades müssen einmalig ca. 350.000 Euro für den Rückbau der Beckenköpfe und der Sprunganlage sowie die Perforation der Beckensohlen aufgewendet werden. Die Beckenkörper werden mit Kies und Oberboden verfüllt und anschließend Rasen im gesamten Becken- und Beckenumgangsbereich gesät. Es besteht die Möglichkeit, die Becken mit Teilen des Abbruchmateriales aus dem Umbau des Hallenbades zu verfüllen. Damit könnten die Kosten von 350.000 Euro noch reduziert werden. Für das Freibad bestehen keine Buchwerte.

 

Freibäder stehen in Salzgitter in SZ-Gebhardshagen und SZ-Thiede für Besucher/-innen zur Verfügung. Beide Bäder werden von der Stadt finanziell unterstützt und können weiteren Besucherzuspruch gut gebrauchen. Darüber hinaus können die Bürger/-innen und Besucher/-innen Salzgitters auch den Salzgittersee an verschiedenen Stellen nutzen.

 

Zusammenfassung der Geschäftsführung der BSF:

In Salzgitter werden Freibäder in den Stadtteilen Thiede und Gebhardshagen betrieben. Der Bedarf ist in Salzgitter damit gedeckt. Das Freibad in Salzgitter-Lebenstedt würde die „Konkurrenzsituation“ verschärfen. Zudem ist die Nachfrage nach einem Freibad durch ein verändertes Freizeitverhalten und auch durch die nicht stabilen Sommer deutlich zurückgegangen. Alternativ steht auch der Salzgittersee als Angebot zur Verfügung.

 

Das voraussichtlich 2019 fertiggestellte „Stadtbad Salzgitter-Lebenstedt“ bietet im Vergleich zum „alten“ Hallenbad deutlich mehr überdachte Wasserflächen, die ganzjährig genutzt werden können. Die neu gestalteten Liegewiesen und die neue Terrasse, die über die großflächigen Türen betreten werden können, bieten den Besuchern einen angenehmen Komfort.

 

Die notwendigen Investitionen für die Sanierung bzw. den Neubau eines Edelstahlbeckens im Vergleich zur jährlichen Nutzungszeit (ca. 4 Monate) und der Nachfrage sind unvertretbar hoch. Hinzu kommen die Personal- und Energieaufwendungen. Erst bei einer Besucherzahl von ca. 45.000 Besuchern je Freibadsaison wäre der Betrieb kostendeckend. Dies ist unrealistisch.

Eine Entscheidung für ein Freibad würde die jährlichen Verluste der BSF wie oben beschrieben erhöhen.

 

Es wird deshalb durch die Geschäftsführung der BSF empfohlen, das Freibad nicht weiter zu betreiben und die beiden Becken einschließlich des Technikgebäudes zurückzubauen.


Die nachfolgende Übersicht der Verwaltung stellt die wesentlichen wirtschaftlichen Aspekte der grundsätzlichen Varianten für die beiden betroffenen Außenbecken (Sprungbecken mit Sprungturm und Nichtschwimmerbecken) nochmals im Vergleich zusammenfassend dar:

 

 

Rückbau

Bestandssanierung

günstigste Neubauten

Investitionen

350 T€
(ggf. noch weniger bei Verwendung Abbruchmaterial)

4.095 T€

4.411 T€

Verlustausgleich p.a.

-

457 T€

484 T€

Kostendeckungsgrad

-

6,0%

5,7%

Zuschuss je Besucher

-

70 €

81 €

Finanzierung Investitionen und Verlustausgleich p.a.

nur einmalige Kosten (relativ gering und überschaubar)

ungeklärt

ungeklärt

 

 

Vor dem Hintergrund der sehr schlechten Wirtschaftlichkeitsdaten nach einer Sanierung oder einem Neubau des Freibadbereiches sowie den bestehenden Alternativmöglichkeiten in Salzgitter (Freibad Gebardshagen, Freibad Thiede sowie Salzgittersee) teilt die Verwaltung die Empfehlung der Geschäftsführung und des Aufsichtsrates der BSF.