Vorlage - 2635/17

Betreff: Baumbestattungsanlage für Urnen im Stadtgebiet Salzgitter
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage
Federführend:EB 70 - Städtischer Regiebetrieb SRB Salzgitter   
Beratungsfolge:
Betriebsausschuss SRB Beschlussvorbereitung
21.05.2019 
24. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Betriebsausschusses SRB zurückgestellt   
18.06.2019 
25. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Betriebsausschusses SRB zurückgestellt   
17.09.2019 
27. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Betriebsausschusses SRB Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   
Verwaltungsausschuss Beschlussvorbereitung
Rat der Stadt Salzgitter Entscheidung
29.05.2019 
31. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Salzgitter zurückgestellt   
26.06.2019 
32. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Salzgitter zurückgestellt   
02.10.2019 
34. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Salzgitter abgelehnt   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschlussvorschlag:

Der Rat beschließt den Bau der vorgestellten Baumbestattungsanlage auf dem Friedhof SZ-Lebenstedt in der Variante 1

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Sachverhalt:

Der Rat der Stadt Salzgitter hat in seiner Sitzung am 30.10.2018 folgenden Antrag (Antrag 2239/17) beschlossen:

„Der Städtische Regiebetrieb Salzgitter (SRB) wird gebeten, Möglichkeiten für eine Baumbestattung in Salzgitter zu entwickeln und dem Rat zur Beschlussfassung vorzulegen.“

 

Der Antrag wurde wie folgt begründet:

„In der weiteren Umgebung von Salzgitter gibt es Möglichkeiten für eine Baumbestattung (Elm, Heiningen). Das Interesse für Baumbestattungen in Salzgitter hat kontinuierlich zugenommen. Da oft eine Bestattung am Heimatort gewünscht wird, wäre die Ausweisung eines Standortes für Baumbestattungen in Salzgitter wünschenswert.

Baumbestattungen entlasten Familienangehörige eines Verstorbenen, die an verschiedenen Wohnorten leben, von einer aufwendigen Grabpflege. Daher ist eine Baumbestattung eine Alternative zu traditionellen Bestattungsformen.“

 

Vorschlag der Verwaltung:

Da eine Baumbestattungsanlage auch Infrastruktureinrichtungen benötigt (Parkplätze, Wegenetz, Personal, usw.) schlägt der SRB vor, eine solche Anlage auf einem bestehenden Friedhof zu errichten und nicht in Waldflächen, wie z.B. dem Hagenholz in SZ-Thiede.

 

Bei den nachstehend dargestellten Varianten handelt es sich nicht um eine Bestattung in einem Wald analog der in dem Antrag genannten Beispiele (FriedWald Elm, RuheForst Vorharz), sondern um pflegeleichte Urnengräber in den Wurzelbereichen von Bäumen.

Die Idee, einer naturnahen letzten Ruhestätte, die keiner Pflege durch Angehörige bedarf, wird auf diese Weise mit den Annehmlichkeiten eines klassischen Friedhofs verbunden.

 

Im Gegensatz zu den genannten Waldbestattungen würde sich die Ruhezeit an den Regelungen der Friedhofssatzung für Urnenbestattungen orientieren, d. h., 20 Jahre Ruhezeit mit der Option der Verlängerung bei der Ausgestaltung als Urnenwahlgrab.

 

Folgende Standorte wurden betrachtet: Friedhof SZ-Lebenstedt, Waldfriedhof SZ-Bad, Ehrenfriedhof Jammertal in SZ-Lebenstedt.

 

Der Friedhof Jammertal ist wegen seiner besonderen historischen Bedeutung Baudenkmal im Sinne  des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes (NDSchG). Auf dem Ehrenfriedhof Jammertal wäre eine Baumbestattungsanlage daher nicht genehmigungsfähig.

 

Auf dem Friedhof SZ-Lebenstedt ist eine noch freie Grabfläche in ca. 2000 m² Größe mit älteren freistehenden Bäumen, die eine Bestattung von Urnen um einen Baum angeordnet ermöglicht, vorhanden.

Auf dem Waldfriedhof in SZ-Bad steht eine ca. 520 m² große Freifläche für Baumbestattungen mit zu pflanzenden Bäumen zur Verfügung.

 

 

1)     Gestaltungskonzept für den Friedhof Salzgitter-Lebenstedt :

 

Die auf dem Friedhof SZ-Lebenstedt zur Verfügung stehende Fläche liegt im Süden des Friedhofes. Hier stehen bereits vier Bäume (Eichen und Hainbuchen) für die Nutzung zur Verfügung. Weitere Bäume können gepflanzt werden. Eine alte am Rand der Fläche verlaufende Wegeerschließung ist für die Neugestaltung nicht notwendig bzw. störend und muss im Vorfeld ausgebaut werden.

 

Die auf der Fläche stehenden Bäume sollen jeweils mit einer Baumgrab-Urnenanlage bestehend aus einem Urnenkammersystem bestückt werden. Hierzu werden Edelstahlrohre in einer Länge von 75 oder 150 cm in die Erde eingelassen und mit einem Bronzegussdeckel verschlossen. In den unterirdischen Kammern finden zwei bis vier Urnen Platz, sie sind nach unten hin offen und müssen mit abbaubaren Urnen bestückt werden. Innerhalb der Rohre werden die Urnen übereinander beigesetzt. Daher ist eine Umbettung nicht möglich. Auf dem Gussdeckel gibt es die Möglichkeit Namensschilder aufzubringen. Diese können nach Ablauf der Ruhezeit für eine Wiederverwendung ausgetauscht werden. Durch die Mehrfachbelegung einer Kammer ist es möglich ein Partner- oder Familienurnengrab zu erwerben.

Die Urnen werden kreisförmig in zwei oder drei Ringen um einen Baum angeordnet. Diese werden mit 50 cm breiten Pflasterwegen aus Betonsteinpflaster umfasst, damit den Angehörigen die Zugänglichkeit zu jedem Platz gewährt wird. Die freibleibenden Flächen bleiben Rasensegmente. Eine Urnenanlage bietet Platz für 144-176 Urnen. Die Zuwegungen passen sich durch ihre geschwungenen Formen in das Gesamtbild ein.

Ein Sitzplatz soll den Trauernden die Möglichkeit geben zu verweilen. Um sich harmonisch in die Kreisformen der Urnenanlage einzufügen wiederholt der Sitzplatz  gestalterisch diese Strukturen auch durch das Aufstellen von halbrunden Bänken. Mittig befindet sich eine höher angelegte Fläche zum Ablegen von Grabschmuck. Bepflanzte Kübel oder Staudenbeete erhöhen die Attraktivität der Anlage.

Der Vorteil des Urnenkammersystems besteht darin, dass die Anlage um einen Baum einmal angelegt wird und im Zuge der Beisetzungen keine erneute Öffnung des Untergrundes erfolgen muss. Hierbei ist lediglich der entsprechende Gussdeckel zu öffnen und ein Namensschild zu ergänzen. Wiederkehrende Eingriffe in das Wurzelsystem der Bäume werden somit vermieden. Des Weiteren sind im Gegensatz zu einzelnen Urnengräbern sehr viele Beisetzungen um einen Baum möglich.

 

Die für zwei oder vier Urnen konzipierten Urnenkammern sollen ausschließlich als Urnenwahlgräber angeboten werden. Damit wird umgangen, dass das Pietätsempfinden der Hinterbliebenen möglicherweise gestört wird, wenn die Urnen mit den Aschen „fremder“ Verstorbener in dieselbe Urnenkammer verbracht werden. Bei der Bereitstellung als Wahlgrab erwirbt eine verantwortliche Person das Nutzungsrecht für eine Kammer mit Platz für zwei oder vier Urnen und entscheidet letztendlich auch über die jeweilige Beisetzung. Die Verlängerung des Nutzungsrechts ist möglich.

Entwurfsvarianten:

Im ersten Entwurf finden sechs Urnenanlagen Platz. Vier unter den Bestandsbäumen und zwei unter neu zu pflanzenden Bäumen. Es befindet sich eine Sitzfläche im Zentrum. Von hier aus kann jede Urnenanlage erreicht werden.

Im zweiten Entwurf sind fünf Urnenanlagen vorgesehen. Der Sitzplatz wurde an den Rand der Anlage platziert, so dass man zurückgezogen und durch Bepflanzung geschützt verweilen kann.

 

 

2)     Gestaltungskonzept für den Waldfriedhof Salzgitter-Bad

 

Die auf dem Waldfriedhof in SZ-Bad zur Verfügung stehende Fläche liegt im Norden des Friedhofes. Es wurden zwei Gestaltungsmöglichkeiten ausgearbeitet, bei denen kein Urnenkammersystem vorgesehen ist, sondern jede Urne einzeln beigesetzt wird. Für jede Urne wird hier ein Kissenstein mit Beschriftung in die Rasenfläche gelegt. Die Urnen sollen jeweils einem neu gepflanzten Baum oder einer Baumgruppe zugeordnet werden. Den notwendigen Eingriff in den Wurzelraum für den Bodenaushub können junge Bäume besser verkraften, als dies bei alten, schon stark verwurzelten Bäumen der Fall ist.

Die Gestaltung könnte als Urnenreihengrab und / oder Urnenwahlgrab erfolgen.

 

Entwurfsvarianten:

Im Entwurf A werden auf die Fläche 3 Bäume gepflanzt, denen strahlenförmig auf den Baum zulaufend die Urnen angeordnet werden. Zwischen den Urnenreihen bieten gepflasterte Wege die Möglichkeit an die Grabstellen heranzutreten. An einem Baum sind 24 Urnenbeisetzungen möglich (insgesamt 72 auf der Fläche). Zwei Bankplätze stehen zum Verweilen zur Verfügung. Eine zentrale gepflasterte Fläche ist für das Ablegen von Grabschmuck vorgesehen.

Im Entwurf B wird die zur Verfügung stehende Fläche hainartig mit Baumgruppen bepflanzt und durch einen geschwungenen Weg erschlossen. Die Urnen können hier in zwei Reihen entlang des Weges, jeweils zugeordnet zu einer Baumgruppe, beigesetzt werden. Zwei Bänke am Weg laden zum Ausruhen ein. An zwei Stellen sind Plattenflächen zur Ablage von Grabschmuck eingeplant. Bei dieser Gestaltung sind ca. 90 Beisetzungen auf der Fläche möglich.

 

 

Pflege der Anlagen:

Die Baumbestattungsanlagen sind pflegeleicht konzipiert. Die Gussdeckel der Urnenkammern sowie auch die Kissensteine sollen mit der Rasennarbe abschließen und somit bei der Pflege der Rasenflächen nicht stören. Um die Pflege zu erleichtern und den Gesamteindruck der Anlage zu erhalten, soll in der Friedhofssatzung festgehalten werden, dass den Trauernden untersagt wird Grabschmuck direkt an den Urnenanlagen niederzulegen. Zum Ablegen von Grabschmuck stehen jeweils ein oder zwei gesonderte Flächen zur Verfügung

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Finanzielle Auswirkungen:

Die Herstellung der Gesamtanlage auf dem Friedhof Lebenstedt (2.000 m²) verursacht Kosten in Höhe von 220.000 € (für bis zu 1.024 Urnen). Im Wirtschaftsplan 2020 stehen Mittel in Höhe von 75.000 € für einen ersten Bauabschnitt zur Verfügung. Dafür wären die Aufnahme alter Wege, die Herstellung der neuen Zuwegung inkl. Sitzplatzfläche, sowie die Herstellung einer Urnenanlage für 176 Bestattungen möglich. Für die Pflege der Gesamtanlage werden jährlich ca. 8.000 € benötigt.

 

Die Herstellung der Baumbestattungsanlage auf dem Waldfriedhof Bad (520 m²) verursacht für den Entwurf A Kosten in Höhe von 20.000 € (für 72 Urnen). Für den Entwurf B Kosten in Höhe von 30.000 € (für 90 Urnen). Für die Pflege der Anlage werden jährlich ca. 2.000 € benötigt.

 

 

Auswahlentscheidung:

Die Verwaltung schlägt vor, im ersten Schritt zur Sammlung von Erfahrungswerten nur auf dem Friedhof Lebenstedt eine Baumbestattungsanlage anzulegen, um die Investitions- und Pflegekosten gering zu halten. Das vorgeschlagene Urnenkammersystem ist in der Neuanlage kostenintensiver, bietet aber den Vorteil auf kleiner Fläche viele Bestattungen zu ermöglichen, mit wenig Aufwand im Vorfeld.

 

Soweit die gesammelten Erfahrenswerte positiv zu bewerten sind, könnte im zweiten Schritt auch eine entsprechende Anlage auf dem Waldfriedhof in SZ-Bad realisiert werden.

 

Die Anzahl der Bestattungen lag 2018 auf dem Waldfriedhof bei 159 (davon 126 Urnenbestattungen) und auf dem Friedhof Lebenstedt bei 510 (davon 389 Urnenbestattungen). Das Verhältnis zeigt, dass die Nachfrage nach Urnenbestattungen in Lebenstedt mehr als 3-mal so hoch ist wie in Salzgitter-Bad. Nach Einrichtung der neuen Bestattungsform in 2020 bleibt abzuwarten, inwieweit sich das Nutzerverhalten verändert. Es ist davon auszugehen, dass herkömmliche Urnenbestattungen rückläufig werden. Diese Entwicklung muss von der Verwaltung beobachtet und ausgewertet werden. Veränderungen der Nachfrage nach Bestattungsformen, geänderte Pflegeanforderungen und der Platzbedarf der neuen Bestattungsform sind für die Gebührenkalkulationen mit bestimmende Faktoren.

 

Das Urnenkammersystem wäre auch für beide Entwürfe auf dem Waldfriedhof in Bad möglich. Es wären dann auf der Fläche wesentlich mehr Bestattungen möglich, die Herstellungskosten würden sich erhöhen.

Dementsprechend wäre auch auf dem Friedhof Lebenstedt die Beisetzung einzelner Urnen um einige Bäume möglich, wobei sich dann die Anzahl der Bestattungen verringern würde.

 

 

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Anlagen:

 

4 Pläne (Jeweils 2 Entwürfe für FH Lebenstedt und Waldfriedhof Bad)

 

Anlage 1

Friedhof SZ-Lebenstedt – Entwurf 1

Anlage 2

Friedhof SZ-Lebenstedt – Entwurf 2

Anlage 3

Friedhof SZ-Bad – Entwurf A (Sonnenstrahlen)

Anlage 4

Friedhof SZ-Bad – Entwurf B (Baumhain)

 

 

 

 

 

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich 1.Entwurf Friedhof Lebenstedt (3238 KB)      
Anlage 2 2 öffentlich 2.Entwurf Friedhof Lebenstedt (3381 KB)      
Anlage 3 3 öffentlich Entwurf A - Friedhof SZ-Bad (1621 KB)      
Anlage 4 4 öffentlich Entwurf B - Friedhof SZ-Bad (1299 KB)