Vorlage - 3843/17

Betreff: Sachstandsbericht 2019 des Seniorenbüros der Stadt Salzgitter
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilungsvorlage
Federführend:50 - Fachdienst Soziales und Senioren   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Soziales und Integration zur Kenntnis
03.06.2020 
28. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Soziales und Integration Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   
Seniorenbeirat zur Kenntnis
18.06.2020 
Öffentliche Sitzung des Seniorenbeirates ungeändert beschlossen   

Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Mitteilung:
 

In der Stadt Salzgitter lebten zum 31.12.2017 107.014 Menschen, der Anteil der Menschen, die älter als 60 Jahre waren, betrug 30.853 (28,8%) (Quelle: Statistisches Jahrbuch der Stadt Salzgitter 2017). Ein weiterer Anstieg für die nächsten Jahre ist prognostiziert. Im Bundesdurchschnitt sind ca. 27,8% der Menschen über 60 Jahre alt (Stand 31.12.17, Quelle: statistisches Bundesamt). Der demografische Wandel macht sich also in der Stadt Salzgitter in besonderem Maße bemerkbar. Unter Berücksichtigung des hohen Anteils älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger ist eine fundierte Seniorenarbeit unerlässlich. Die Grundlage moderner und nachhaltiger Seniorenarbeit spiegelt die Vielfalt der individuellen Lebenslagen älterer Menschen wider. Von zentraler Bedeutung ist der Paradigmenwechsel von der traditionellen Altenhilfe zu einem Gesamtkonzept, das sowohl die Potenziale und Ressourcen als auch den Hilfe- und Unterstützungsbedarf von älteren Menschen berücksichtigt.

 

Das Seniorenbüro der Stadt Salzgitter ist dem FD Soziales und Senioren zugeordnet und arbeitet generell mit 3 methodischen Ansätzen:

 

  1. Die Seniorenberatung findet zu Themen wie Pflege, Leistungs- oder allgemeine Lebensfragen statt. Die Nachfrage nach diesen Angeboten steigt, da die Lebenslagen der Seniorinnen und Senioren immer komplexer und vielfältiger werden. Die Beratungen sind nicht nur auf die Zielgruppe der älteren Menschen, sondern auch präventiv oder z.B. auf pflegende Angehörige ausgerichtet. In den Beratungen werden auch Lösungsstrategien erarbeitet und sie bieten in der Regel einen Überblick über die zahlreichen Hilfeangebote. Eine spezielle Form der Beratung stellt die Information und Beratung dar, die das Ziel verfolgt, das selbstständige Wohnen und die selbstständige Haushaltsführung der älteren Menschen in ihrer Wohnung und ihrem Wohnumfeld zu erhalten, zu fördern oder wiederherzustellen (Wohnberatung).

 

  1. Die offene Seniorenarbeit stellt einen eigenständigen, gesellschaftlichen Gestaltungsbereich dar und umfasst Freizeit- und Bildungsangebote, Prävention, Partizipation und bürgerschaftliches Engagement. Partizipation beinhaltet z.B. die  politische Teilhabe. Als Mittler zwischen Seniorinnen und Senioren, der Kommunalpolitik und der Stadtverwaltung übernimmt der Seniorenbeirat hier eine wichtige Funktion.

 

  1. Professionelle Sozialarbeit für Seniorinnen und Senioren benötigen insbesondere die Menschen, die durch das Alter eingeschränkt sind, durch den Renteneintritt in eine wirtschaftliche Notlage geraten, kritische Lebenssituationen zu bewältigen haben oder unter Vereinsamung leiden. Soziale Arbeit mit Senioren kann medizinische und pflegerische Maßnahmen sinnvoll ergänzen, jedoch nicht fachlich in Medizin und Pflege eingreifen und stößt damit an Grenzbereiche, die es mit Netzwerkarbeit zu überwinden gilt.

 

Das Berichtsjahr 2019 im Überblick:

 

Beratung

 

Allgemeine Seniorenberatung/Lebensberatung

In der allgemeinen Seniorenberatung wurden im Jahr 2019  724 Kontakte verzeichnet. Wesentliche Beratungsthemen waren

 

  • Gestaltungsmöglichkeiten für die Freizeit
  • Wirtschaftliche Probleme
  • Pflege und Familie
  • Einsamkeit

 

Koordinierungsstelle „Wohnen im Alter“

Ältere Menschen möchten so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben führen. Dies bezieht sich in besonderem Maße auf die Wohnsituation, denn veränderte Fähigkeiten und Bedürfnisse im Alter  bedürfen oftmals einer Anpassung der Wohnverhältnisse. Diese Anpassung kann in unterschiedlichen Ausprägungen erfolgen:

  1. Anpassung der Einrichtung (Durchgangsbreiten, Arbeitshöhen, Stolperfallen, Beleuchtung  etc) sowie Einsatz von Hilfsmitteln
  2. Bauliche Veränderungen (Türverbreiterung, Schwellenbeseitigung, Rampen, Badumbau  etc)
  3. Umzug in alternative Wohnformen oder barrierefreien Wohnraum

In der Koordinierungsstelle „Wohnen im Alter“ nehmen 2 zertifizierte Wohnberaterinnen die Seniorenwohnberatung wahr. Neben den o.a. Anpassungsberatungen finden auch präventive Beratungen statt. Da eine genaue Kenntnis der Örtlichkeiten von erheblicher Bedeutung ist, beinhalten die Beratungen häufig auch Hausbesuche.

 

Regelmäßig nachgefragt werden alternative, seniorengerechte Wohnprojekte wie z.B. das betreute Wohnen. Leider scheitern gewünschte Umzüge zumeist an einem Mangel solcher Projekte in Salzgitter. 

 

Da die Anforderungen an die Wohnberatung durch zunehmende Technisierung steigen, wurde die Zusatzqualifikation als  AAL- Beraterin erworben. AAL = „Ambient Assisted Living" steht für Konzepte, Produkte und Dienstleistungen, die neue Technologien in den Alltag einführen, um die Lebensqualität für Menschen vor allem im Alter zu erhöhen (z.B. Smart Home Technologie). Übersetzt steht AAL für Altersgerechte Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben.

 

Durch das Pflegestärkungsgesetz III wurde die Aufgabe der Altenhilfe dahingehend konkretisiert, dass Beratung und Unterstützung insbesondere in allen Fragen des Angebots an Wohnformen zu leisten ist. Die Zahl der Seniorenwohnberatungen ist  auf 280  Interventionen (Beratungen und Hausbesuche) in 2019 gestiegen.

 

Pflegestützpunkt

Der Pflegestützpunkt der Stadt Salzgitter wurde am 01.01.2011 auf der Basis des Niedersächsischen Rahmenvertrages zur Verbesserung des Beratungsangebotes für pflegebedürftige Menschen und deren Angehörige eingerichtet und verzeichnet seit dem stetig wachsende Beratungszahlen. Mit einer Steigerung von 700 Kontakten im Jahr 2011 auf 1220 Kontakten im Jahr 2019 erhöhte sich die Nachfrage um rd. 74 %. Die Leistung des Pflegestützpunktes Salzgitter umfasst vor allem die unabhängige Präventiv- und Akutberatung von Pflegebedürftigen und Angehörigen, Feststellung sämtlicher Hilfebedarfe, Erstellung von Versorgungsplänen (Case Management),

 

 

Offene Seniorenarbeit

 

Kommunale Seniorentreffs

Die kommunalen Seniorentreffs in Salzgitter-Bad, -Lebenstedt und – Thiede erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Zahl der Gruppenangebote hat sich in den vergangenen 2 Jahren von 89 Angeboten auf 95 Angebote -betrachtet auf alle Einrichtungen- erhöht. In den Programmen sind Kultur, Bildung, Sport, Geselligkeit, Gesundheit und Hobbys (z.B. Briefmarkensammler, Kochkurse etc) enthalten. Es wurden zusätzlich 60 Sonderveranstaltungen wie jahreszeitliche Feste, Kinonachmittage, Fahrradtouren, Bustagesfahrten etc. durchgeführt. Die Seniorentreffs verzeichneten im Jahr 2019  30.435 Besuche.

 

Stadtteilarbeit

Um den landkreisähnlichen Strukturen der Stadt Salzgitter gerecht zu werden und auch die ältere Bevölkerung in den ländlichen Bereichen Salzgitters zu erreichen, wurde schon im Jahr 2008 die Seniorenstadtteilarbeit organisiert. Hier werden unter Nutzung von öffentlichen Räumlichkeiten (Dorfgemeinschaftshäuser, Kirchengemeinderäume etc.) Angebote für Senioren bedarfsorientiert zusammengestellt. Im Berichtsjahr wurden mit den Angeboten 3.783 Teilnehmer erreicht.

 

Seniorenzeitung „Älter werden in Salzgitter“

Die Seniorenzeitung „Älter werden in Salzgitter“ erscheint quartalsweise in einer Auflage von 3.500 Exemplaren. Die Zeitung beinhaltet sowohl wissenswerte Themen rund um das Alter als auch Berichte aus der Arbeit des Seniorenbüros und Veranstaltungshinweise. Die Produktion der Zeitung ist werbegestützt und für die Stadt Salzgitter wie auch für die Leserinnen und Leser kostenlos. Die Verteilung erfolgt über 173 Verteilstellen im Stadtgebiet.

 

Koordinierungsstelle „Ehrenamt“

Senioren verfügen über viel Wissen und viele Fähigkeiten. Einige von ihnen möchten einen Beitrag zu der Gesellschaft leisten und ihre Fähigkeiten einbringen. Diese Unterstützung der Senioren ist wichtig und nicht verzichtbar. Andererseits sind auch jüngere Menschen bereit, sich für ältere Menschen zu engagieren, dies wiederum fördert den Generationendialog und das gegenseitige Verständnis und die gegenseitige Rücksichtnahme.

Die Koordinierungsstelle Ehrenamt“ im Seniorenbüro stellt das Bindeglied zwischen Projektarbeit und bürgerschaftlichem Engagement dar. Wesentliche Aufgabe der Koordinierungsstelle ist es, Menschen für eine ehrenamtliche Aufgabe im Seniorenbüro zu begeistern, sie zu begleiten, zu schulen, aber auch Ansprechpartner zu sein und eine Anerkennungskultur zu pflegen. So wurden z.B. in 2019 auf Vorschlag des Seniorenbeirates ehrenamtlich engagierte Menschen und Gruppen mit dem „Salzgitter-Brief“ ausgezeichnet.

 

Ehrenamtliche  Helfer werden z.B. bei Seniorenveranstaltungen, in den Seniorentreffs, in der Seniorenstadtteilarbeit oder als Multiplikatoren ihres Wissens- und Erfahrungsschatzes (z.B. als Zeitzeugen) tätig. Generationsübergreifend werden unter dem Motto „Alt hilft Jung - Jung hilft Alt“  Lesepatenschaften für allgemeinbildende Schulen eingerichtet. Weiterhin wurde im Berichtsjahr eine Gruppe mit ehrenamtlichen Personen gegründet, auf die die sozialpädagogischen Kräfte des Seniorenbüros zur kurzfristigen Unterstützung von Seniorinnen und Senioren bei Begleitungsausfällen (z.B. Arztbesuche, Einkäufe etc.) zurückgreifen können („SOS-Dienst“).

 

Professionelle Sozialarbeit

 

Im Seniorenbüro der Stadt Salzgitter sind 1,7 Stellenanteile als diplomierte, sozialpädagogische Fachkräfte in der Seniorensozialarbeit eingesetzt. Im Berichtsjahr wurden 941 Kontakte registriert, wobei zu den Kontakten Beratungsgespräche, Erstanamnesen und Hilfestellungen, aber auch 217 sozialpädagogische Kriseninterventionen zählen.  Kriseninterventionen werden häufig erforderlich bei

 

  • Verwahrlosung / Vermüllung im Alter
  • kritischen Pflegesituationen
  • demenziellen Erkrankungen
  • finanziellen Notlagen
  • familiären Krisen (z.B. Verlust des Partners/der Partnerin)
  • multiplen Problemlagen

 

Die Interventionen verhinderten oder beseitigten häufig menschliche Tragödien oder linderten massive Problemlagen zu lindern. Diese Problemstellungen nehmen stetig zu und werden komplexer. Oftmals muss interdisziplinär mit unterschiedlichen Sozialdiensten und Fachstellen zusammengearbeitet werden, um zielgerichtete Hilfen installieren zu können.                       

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