Vorlage - 3874/17-AW

Betreff: Anfragenbeantwortung i.S. Betreuung von sog. "Problemfamilien" während der Corona-Pandemie
Anfrage der FDP-Ratsfraktion in der Sitzung des Verwaltungsausschusses am 27.05.2020, des Jugendhilfeausschusses am 11.06.2020 und im Rat am 17.06.2020
Status:öffentlichVorlage-Art:Beantwortung von Anfragen
Federführend:51 - Fachdienst Kinder, Jugend und Familie   
Beratungsfolge:
Verwaltungsausschuss zur Kenntnis
Jugendhilfeausschuss zur Kenntnis
11.06.2020 
öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Jugendhilfeausschusses ungeändert beschlossen   
Rat der Stadt Salzgitter zur Kenntnis
17.06.2020 
41. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Salzgitter Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   

Sachverhalt
Anlage/n

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Mitteilung:

 

Die Anfrage der FDP-Ratsfraktion wird wie folgt beantwortet:

 

Frage:
Wie viele Kinder werden zurzeit vom Jugendamt betreut, die sich in Problemfamilien befinden?

 

Antwort der Verwaltung:

Sowohl die  Anzahl der vom Fachdienst Kinder, Jugend und Familie betreuten Kinder als auch der Begriff „Problemfamilie“ sind nicht eindeutig und daher nicht ohne Erklärung mit einer absoluten Zahl benennbar.

Da die Jugendhilfe nur Individualansprüche auf Leistungen kennt, werden auch nur Einzelpersonen zählbar erfasst. Zwar werden zu jedem Jugendhilfevorfall auch die Eltern, ggf. die Stiefeltern, die Geschwister, Stiefgeschwister, Halbgeschwister, Lebenspartner usw. zugeordnet, die Fülle der Möglichkeiten, etwa dass Geschwister in verschiedenen Familien leben und trotzdem eine Familie sind, lässt aber eine eindeutige Auswertung nicht zu. Es wird daher immer nur ein Kind als Jugendhilfefall gezählt obwohl in Familienhilfen mehrere Kinder von der Hilfe profitieren.

 

Der Begriff „Problemfamilie„ bereitet ebenfalls Schwierigkeiten bei der Definition. Es können darunter Familien  subsumiert werden, die einen Hilfebedarf offenbaren und konkrete Unterstützungen beanspruchen. Erst die Prüfung durch den Sozialpädagogischen Dienst bestätigt einen Bedarf oder weist diesen als unbegründet zurück.

Des Weiteren haben einige Familien Schwierigkeiten in der Bewältigung ihrer Erziehungsaufgaben, empfinden aber selbst keinen Unterstützungsbedarf oder lehnen aus anderen Gründen Hilfen ab. Ein Teil dieser Familien lässt sich zur Hilfeannahme motivieren, andere aber nicht. Erst der Tatbestand der konkreten Kindeswohlgefährdung schafft eine rechtliche Legitimation für das Jugendamt, um Unterstützung auch außerhalb der Freiwilligkeit zu gewähren. Diese Unterstützung erfolgt im Zwangskontext, oftmals im Rahmen einer familiengerichtlichen Auflage.

Zuletzt gibt es viele Familien, die sich durch die vielfältigen Angebote in der Sozialen Infrastruktur beraten oder unterstützen lassen. Dazu zählt der gesamte Bereich der frühen Hilfen oder der Beratung durch die Erziehungsberatungsstelle und den freien Trägern.

Um den Kern der Anfrage beantworten zu können, werden nachfolgend die Daten des Allgemeinen Sozialdienstes (ASD) als definierter Garant für die Wahrung des Kindeswohls dargelegt.

Dieses vorausgeschickt kann mitgeteilt werden, dass gegenwärtig

 

                     1394 laufende Vorfälle bestehen, davon

                     22 Familien sich in intensiver Begleitung wegen erwiesener Kindeswohlgefährdungen befinden,

                     130 Familien durch Familienhilfe unterstützt werden,

                     264 Kinder und Jugendliche in Individualhilfen der Hilfen zur Erziehung betreut werden,

                     379 Familien beraten werden,

                     253 Kinder in der Eingliederungshilfe unterstützt werden,

                     346 Familien sich in sonstiger Sachbearbeitung befinden, davon

                     252 offene Familiengerichtsverfahren.

 

                     Darüber hinaus werden 80 Kinder durch die Amtsvormundschaft/Amtspflegschaft betreut.

 

Im ersten Quartal stellt sich die Lage in den Hilfen zur Erziehung wie folgt dar:

HzE und andere

 

Anzahl

laufend*

beendet *

§ 19 SGB VIII

Mutter-Kind-Einrichtungen

3

2

§ 27 SGB VIII

sonstige HzE

13

5

§ 29 SGB VIII

Soz. Gruppen

1

0

§ 29 SGB VIII

Soz. Gruppe (Neue Ambulante Maßnahmen)

0

0

§ 30 SGB VIII

Erziehungsbeistandschaft

11

3

§ 31 SGB VIII

Familienhilfe

129

8

§ 32 SGB VIII

Tagesgruppe

14

0

§ 33 SGB VIII (befristete Unterbr.)

Pflegestellenunterbringung

7

0

§ 33 SGB VIII (mit Hilfeplanung)

Dauerpflege

94

1

§ 34 SGB VIII

Heimunterbringung

116

10

§ 35 SGB VIII

Intensive Sozialpäd. Betr.

1

0

§ 35a  SGB VIII (ambulant)

Eingliederungshilfe

88

5

§ 35a SGB VIII (mit Hilfeplanung)

Eingliederungshilfe

160

7

§ 41 SGB VIII

Hilfe für junge Volljährige

52

5

§ 42 SGB VIII:

Vorläufige Schutzmaßnahme, Herausnahme

12

9

§ 54 Abs. 3 SGB XII Vollzeitpflege – Hilfeplanung

Eingliederungshilfe

12

0

 

 

 

 

 

 

 

 

Beratungen und Mitwirkungen

Massnart

Anzahl

Nummer

laufend*

beendet *

§ 8a SGB VIII -

Schutzauftrag

7

39

§ 8a SGB VIII -

Begleitung

17

9

§ 16 SGB VIII

Beratung und Unterstützung

244

147

§ 17,18 SGB VIII

Trennung, Scheidung, Umgang

122

87

§ 50 SGB VIII

Familiengerichtliche Verfahren

252

58

Sonstige Mitwirkung

Amtshilfen u.ä.

20

4

 

 

 

 

Frage:

Wie halten die Bediensteten des Jugendamtes Kontakt mit den Familien?

 

Antwort der Verwaltung:

Die Empfänger von Hilfen zur Erziehung und der Eingliederungshilfe werden weiterhin durch die freien Träger der Jugendhilfe betreut. Soweit die Familien einen persönlichen Kontakt aus Gründen des Infektionsschutzes ablehnen, wird von den freien Trägern der Jugendhilfe der telefonische Kontakt gehalten. In Kinderschutzfällen ist der persönliche Kontakt unabdingbare Voraussetzung um den Kinderschutz zu gewährleisten und eine Fremdunterbringung von betroffenen Kindern zu vermeiden. Der Soziale Dienst hat für Familien mit Unterstützungsbedarf, die sich in Hilfen zur Erziehung befinden, Namenslisten angefertigt. Diese Familien werden konsequent telefonisch kontaktiert und ihnen werden Beratungsangebote offeriert.

 

Frage:

Kam es, seit dem Ausbruch von Covid 19, vermehrt zu Problemen in diesen Familien. Und wenn ja, welcher Art waren diese?

 

Antwort der Verwaltung:

Es ist kein Anstieg bei den Meldungen der Kindeswohlgefährdungen zu verzeichnen. Auch die Anzahl der Inobutnahmen ist unauffällig. Es ist bisher keine Zunahme von häuslicher Gewalt festzustellen.

 

Frage:

Welche Maßnahmen wurden von der Verwaltung zum Schutz der Bediensteten getroffen, die diese Familien betreuen?

 

Antwort der Verwaltung:

Die Beratung dieser Familien erfolgt in den im Rathaus zur Verfügung gestellten Büros für Notfalltermine. Diese Büros sind mit transparenten Trennwänden (Spuckschutz) ausgestattet. Darüber hinaus werden in den Notfallbüros Hygienemittel, wie Desinfektionsmittel für die Flächen und Hände, zur Verfügung gestellt.

 

Für unabweisbare Hausbesuche stehen den Bediensteten ebenfalls Hygienemittel zur Verfügung, wie Einmalhandschuhe, Mund- und Nasenschutz, Einwegkittel sowie Schutzvisiere  

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