Vorlage - 7260/14

Betreff: Untersuchung der Böden der Innersteaue auf Schwermetalle
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilungsvorlage
Federführend:36-Fachdienst Umwelt   
Beratungsfolge:
Ortsrat der Ortschaft Süd Anhörung
05.07.2006 
45. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ortsrates der Ortschaft Süd Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   
Umwelt-,Planungs- und Bauausschuss Anhörung
04.07.2006 
18. öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Umwelt-, Planungs- und Bauausschusses Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   

Sachverhalt
Anlage/n

Mitteilung:

Mitteilung:

Der Fachdienst Umwelt hat mit der Untersuchung von Böden der Innersteaue auf Schwermetalle begonnen, da in diesem Raum flächenhaft schädliche Bodenverände­rungen aufgetreten bzw. zu erwarten sind. Ursache für die flächenhaft schädlichen Bodenveränderungen, d.h. für Schadstoffe, insbesondere Blei, Cadmium und Zink, im Boden, ist der Oberharzer Bergbau. Ziel der Untersuchungen ist es, ggf. ein Bo­denplanungsgebiet gemäß § 4 des Niedersächsischen Bodenschutzgesetzes (NBodSchG) festzusetzen; Erläuterungen hierzu folgen auf Seite 2.

 

Im Jahr 2007 wird sich eine Arbeitsgruppe der Unterlieger der Harzflüsse Oker und Innerste im ehemaligen Regierungsbezirk Braunschweig bilden, da sich alle unteren Bodenschutzbehörden im betroffenen Gebiet dieses Themas annehmen und Erfah­rungs- sowie ggf. Datenaustausch angestrebt wird. Im Landkreis Goslar gibt es be­reits seit dem Jahr 2001 eine „Verordnung des Bodenplanungsgebietes Harz im Landkreis Goslar“.

Einfluss des Harzer Bergbaus auf die Talaue der Innerste im Vorharz:

Der Erzbergbau im Harz geht bis in vorchristliche Zeit zurück. Die als „1000jähriger Harzer Bergbau“ bekannte Bergbauphase im engeren Sinne begann jedoch mit dem urkundlich belegten Blei- und Silbererzbergbau am Rammelsberg bei Goslar um 968 n. Chr. und endete 1992, als das letzte Bergwerk in Bad Grund seinen Betrieb ein­stellte.

 

Die ersten größeren Schmelzhütten im Einzugsgebiet der Innerste entstanden im 13. Jahr­hundert. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts standen an der Innerste und ihren Seitenbächen 38 Poch­werke, in denen das Erz zerkleinert und vom tauben Gestein getrennt wurde. Bis heute sind die Talflanken am Oberlauf der Innerste mit den Pochsandhalden bedeckt. Mit den jährlichen Hochwassern, gerade in den Entwal­dungsphasen (Holznot im 16. und im 18. Jahr­hun­dert), ist der Pochsand in das Harzvorland transportiert und in den Auen weitflächig abgelagert worden.

 

Neben der Oker ist die Innerste der am höchsten mit Schwermetallen belastete Fluss Deutschlands. Eintragsorte befinden sich zwischen Clausthal und Langelsheim. Der Harzeinfluss auf die Auensedimente ist weit flussabwärts, bis in die Weser bei Bre­men, feststellbar.

 

Die seit 1970 bestehende Innerstetalsperre und die Granetalsperre fungieren als Schwer­metall­senken, indem dort schwermetallhaltige Schwebstoffe sedimentiert werden. Allerdings führt die Innerste trotz dieses Effektes und auch nach Einstellung des Bergbaus im Harz schwermetall­belastete Sedimente; eine Ursache hierfür ist die Remobilisierung von in früherer Zeit abgelagerten Auensedimenten besonders wäh­rend Hochwasserereignissen.

 

Schädliche Folgen der Sedimentationsprozesse sind schon im 18. Jahrhundert beschrieben worden: Vergiftungserscheinungen an Weidevieh, Massensterben von Federvieh und Ernteausfälle. Als Ursache nahm man schon früh das Blei aus dem Pochsand in den Auenböden an.

Verfärbungen und Wuchsdepressionen an Pflanzen sind besonders auf Zink zurück­zuführen, auf das die Menschen und die Tiere weniger sensibel reagieren als die Pflanzen. Besonders relevant für Mensch und Tier sind Blei und Cadmium.

Rechtlicher Hintergrund und Regelungsmöglichkeiten:

Schädliche Bodenveränderungen sind nach § 2 Abs. 3 des Bundes-Bodenschutz­gesetzes (BBodSchG) Beeinträchtigungen der Bodenfunktionen, die geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nachteile oder Belästigungen für den einzelnen oder die All­gemeinheit herbeizuführen. Gebiete mit flächenhaft schädlichen Bodenveränderun­gen sind Gebiete, in denen die Prüfwerte nach der Bundes-Bodenschutzverordnung (BBodSchV) in der Fläche überschritten sind. Nach Bodenschutzrecht verpflichten Prüfwert-Überschreitungen im Einzelfall den Grundstückseigentümer zu weiteren Untersuchungen zur Gefahrenbeurteilung.

§ 4 NBodSchG eröffnet der Bodenschutzbehörde die Möglichkeit, durch Verordnung Gebiete, in denen flächenhaft schädliche Bodenveränderungen auftreten oder zu er­warten sind, als Bodenplanungsgebiete festsetzen, um – ohne Untersuchung jedes einzelnen Grundstücks – die in diesen Gebieten erforderlichen Schutzmaßnahmen in Abhängigkeit von der tatsächlichen Nutzung nach einheitlichen Maßstäben festzu­setzen und aufeinander abzustimmen. Dazu gehören ggf. Maßnahmen zur Unterbre­chung des direkten Kontakts mit den Bodenschadstoffen, Maßnahmen zur Minimie­rung des Schadstoffeintrags vom Boden in Nutzpflanzen sowie Regelungen zum Umgang mit ausgehobenem oder abgeschobenem Boden.

Die Innersteaue im Raum Salzgitter:

Die Auelehme wurden nacheiszeitlich abgelagert, sie sind eine Folge der Bodenero­sion im Flusseinzugsgebiet und enthalten das Material der umgebenden Hänge (Löss, Lösslehm). Sie bestehen dementsprechend aus Schluff (feine Bodenpartikel mit einer Größe von 0,002 mm – 0,063 mm) und sind aufgrund der Erosion von Oberböden humushaltig. Der jüngere Auelehm ist anthropogen überprägt und enthält Pochsande aus dem Oberharzer Bergbau.

 

Als Untersuchungsraum für die Schwermetalluntersuchungen in der Innersteaue wurde zunächst der Bereich mit Auenablagerungen nach der Geologischen Karte 1:25.000 festgelegt (Abbildung 1).

 

Die Innerste hat hier aufgrund eines relativ großen Gefälles (3 – 4 ‰; zum Vergleich: Baddeckenstedt 1,5 ‰, Landkreis Hildesheim 0,5 ‰) ein natürliches Hochwasser­bett, das etwa 100 – 150 m breit und 1 – 1,5 m tief ist und in dem sie ihr Flussbett verlagert. Der Auelehm hat im Raum Salzgitter eine geringe Mächtigkeit von etwa 1 m, möglicherweise eine Folge des natürlichen Hochwasserbettes. Stellenweise wurden auch größere Mächtigkeiten um 2 m oder mehr, z.B. in verfüllten Altarmen, festgestellt.

 

Die Innersteaue ist geprägt durch die Innerste mit ihrem Hochwasserbett und den Mühlengraben. Das Hochwasserbett selbst ist überwiegend Brachland bzw. Bruch­wald. Der größte Teil der Auenböden wird landwirtschaftlich (Ackerflächen, Grün­land) genutzt. Die südlichsten Siedlungsräume von Ringelheim und Hohenrode lie­gen innerhalb der Aue. Daneben befinden sich u.a. Grünanlagen, Gewerbeflächen, ein Campingplatz und ein Kiesabbau innerhalb des Auenbereichs.

Abbildung 1:  Die Innerste-Aue in Salzgitter – Übersichtskarte
(Schraffur: Auenablagerungen nach Geologischer Karte 1:25.000)

Untersuchungsschritte:

Der erste Untersuchungsschritt ist inzwischen abgeschlossen. Aus 51 Kleinramm­bohrungen, die in 6 Querprofilen positioniert waren, wurden jeweils zwei Bodenpro­ben (0 – 0,3 m und 0,3 – 0,6 m) auf Blei, Cadmium und Zink, einzelne Proben auch auf Antimon, Arsen und Kupfer untersucht. Die Ergebnisse streuen vom Hochwas­serbett zum Randbereich der Aue sehr stark. Sie liegen für Blei zwischen 111 und 31.600 mg/kg, für Cadmium zwischen 0,48 und 71 mg/kg sowie für Zink zwischen 108 und 10.900 mg/kg.

 

Folgende weitere Untersuchungsschritte sind geplant:

·      Ausweitung des Untersuchungsraum in kleinen Bereichen im Nordwesten und östlich von Ringelheim,

·      Abgrenzung der schwermetallbelasteten Auenböden (horizontale Ausdehnung),

·      vertikale Verbreitung der schwermetallbelasteten Auenböden,

·      Untersuchung von öffentlichen Flächen sensibler Nutzung,

·      Untersuchung des Grundwassers,

·      Verdichtung des Untersuchungsrasters.

 

Die Untersuchungsergebnisse werden den Eigentümern der Flächen jeweils kurzfris­tig zur Verfügung gestellt. Dies ist insbesondere bei der Nutzung der Böden im Erwerbsgartenbau und in der Landwirtschaft von Bedeutung, denn hier hat der Land­wirt eigenverantwortlich die Einhaltung der Höchstgehalte in seinen Produkten nach dem Futtermittel- und Lebensmittelrecht sicherzustellen.

 

In die Bearbeitung der Thematik werden auch die Landwirtschaftskammer sowie der Fachdienst Gesundheit einbezogen. Zum einen sollen die Ergebnisse in die Bera­tung durch die landwirtschaftliche Fachbehörde einfließen, zum anderen sind für Nutzgärten ggf. Anbau- und Verzehrempfehlungen zu erarbeiten.

Anlagen:

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