Vorlage - 2301/15

Betreff: Friedhofswesen der Stadt Salzgitter
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilungsvorlage
Federführend:EB 70 - Städtischer Regiebetrieb SRB Salzgitter   
Beratungsfolge:
Betriebsausschuss SRB Information
15.04.2008 
10. Öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Werksausschusses SRB Kenntnisnahme bzw.Beschlussvorbereitung   

Sachverhalt

Mitteilung:

Mitteilung: 

 

Aufgrund verschiedener Nachfragen anlässlich der Beratung der Friedhofgebühren 2008 (Sitzung des Werksausschusses am 20.11.07) wurde angekündigt, allgemeine Informationen zu dem Bestattungswesen in Salzgitter (Standorte der Friedhöfe, statistische Werte, Kostendeckung) zu geben.

 

Diese Informationen werden nachstehend zur Kenntnis gegeben.

 

Standorte der Friedhöfe

 

Ortsteil

Friedhofsverwaltung

Grundstückseigentümer

Kapelle

Bad (Altstadtfriedhof)

Kirche

Kirche

Kirche

Bad (Kath. Friedhof)

Kirche

Kirche

-

Bad (Waldfriedhof)

Stadt

Stadt

Stadt

Barum

Kirche

Stadt

Stadt

Beddingen

Kirche

Stadt

Stadt

Beinum

Kirche

Kirche

Stadt

Bleckenstedt

Stadt

Stadt

Stadt

Bruchmachtersen

Kirche

Kirche

-

Calbecht

Kirche

Kirche

-

Drütte

Stadt

Stadt

Stadt

Engelnstedt

Stadt

Stadt

Stadt

Engerode

Kirche

Stadt

Stadt

Engerode

Stadt

Stadt

-

Flachstöckheim

Stadt

Stadt

Stadt

Flachstöckheim

Kirche

Kirche

-

Gebhardshagen

Stadt

Stadt

Stadt

Gitter

Kirche

Kirche

Stadt

Groß Mahner

Kirche

Kirche

Stadt

Heerte

Stadt

Stadt

Stadt

Hohenrode

Kirche

Kirche

Kirche

Immendorf

Stadt

Stadt

Stadt

Lebenstedt

Stadt

Stadt

Stadt

Lesse

Kirche

Kirche und Stadt

Stadt

Lichtenberg

Kirche

Stadt

Stadt

Lobmachtersen

Kirche

FMI

Stadt

Ohlendorf

Kirche

Stadt

Stadt

Osterlinde

Kirche

Kirche

Stadt

Reppner

Stadt

Kirche

-

Ringelheim (Ev. Fr.)

Kirche

Stadt

Stadt

Ringelheim (Kath. Fr.)

Kirche

Kirche

-

Salder

Stadt

Stadt

Stadt

Sauingen

Kirche

Kirche und Stadt

Kirche

Thiede

Stadt

Stadt

Stadt

Üfingen

Kirche

Stadt

Stadt

Watenstedt

Stadt

Stadt

Stadt

 

Grabarten

 

Für die Bestattung der Verstorbenen stehen verschiedene Grabarten zur Verfügung:

 

Grabart

Lebenstedt

Bad

Gebhardhagen

Thiede

Drütte

Immendorf

Bleckendtedt

Watenstedt

Engelnstedt

Salder

Engerode

Heerte

Reppner

Flachstöckheim

Erdreihengrab

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

Erdreihengrab ohne Pflege

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ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

Einzelwahlgrab

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ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

Einzelwahlgrab i. bes. Lage

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ja

ja

ja

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doppelwahlgrab

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

Doppelwahlgrab i. bes. Lage

ja

ja

ja

ja

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

mehrstelliges Wahlgrab

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

Erdkindergrab

ja

ja

ja

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Amerik. Einzelwahlgrab

ja

ja

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

anonymes Urnengrab

ja

ja

ja

ja

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Urnenreihengrab

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ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

Urnenwahlgrab

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

Urnenwahlgrab Gemeinschaftsanlage

ja

ja

ja

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sterbefälle /Bestattungen auf städt. Friedhöfen gesamt

 

 

Sterbefälle in Salzgitter*

Bestattungen auf städt. Friedhöfen

%

1996

1.330

894

67,22%

1997

1.348

898

66,62%

1998

1.303

910

69,84%

1999

1.419

920

64,83%

2000

1.303

886

68,00%

2001

1.246

905

72,63%

2002

1.325

840

63,40%

2003

1.386

791

57,07%

2004

1.244

897

72,11%

2005

1.252

789

63,02%

2006

1.322

812

61,42%

2007

1.257

848

67,46%

 

 

Bestattungen nach Bestattungsart auf städt. Friedhöfen

 

 

Urnenbest. / Kindergrab

Erdbestattungen

Gesamt

1996

496

398

894

1997

529

369

898

1998

541

369

910

1999

563

357

920

2000

561

325

886

2001

587

318

905

2002

534

306

840

2003

535

256

791

2004

609

288

897

2005

540

249

789

2006

549

263

812

2007

596

252

848

 

 

Bestattungen auf städt. Friedhöfen 2007 nach Bestattungsort:

 

2007 verteilten sich die Bestattungen wie folgt:

 

Friedhof

Anzahl

Prozent

Lebenstedt

483

56,96%

Bad

142

16,75%

Gebharshagen

98

11,56%

Thiede

78

9,20%

Heerte

5

0,59%

Engelnstedt

3

0,35%

Reppner

5

0,59%

Salder

19

2,24%

Bleckenstedt

6

0,71%

Drütte

1

0,12%

Immendorf

2

0,24%

Watenstedt

4

0,47%

Flachstöckheim

2

0,24%

Summe

848

100,00%

 

Gebührenentwicklung

 

 

Textliche Zusammenfassung und Ausblick

 

A         Istanalyse

 

Friedhöfe im Stadtgebiet

Im Stadtgebiet stehen 35 Friedhöfe (14 städtische und 21 kirchliche Friedhöfe) für Bestattungen zur Verfügung.

Diese große „Auswahl“ und „Konkurrenzsituation“ ist aus Sicht der Bürgerorientierung und von Gewohnheitsrechten zu begrüßen, da hierdurch eine Bestattung im bisherigen Umfeld der Verstorbenen oder der Bestattungspflichtigen ermöglicht wird.
Andererseits stellt diese Situation im Hinblick auf die Anzahl der Bestattungen und der Kosten für die Unterhaltung der Friedhöfe eher eine Belastung dar.

Sterbefälle / Bestattungen / Bestattungsarten


Im Durchschnitt der letzten 12 Jahre wurden in Salzgitter 1.311 Sterbefälle p. a. beurkundet. Auf städt. Friedhöfen wurden im Durchschnitt 866 Bestattungen durchgeführt (66,03 %). Diese Zahlen verdeutlichen die obigen Ausführungen zu der Vielzahl der für Bestattungen zur Verfügung stehenden Friedhöfe.


Eindeutig kann eine sichtbare Zunahme der Urnenbestattungen konstatiert werden. Dies ist deckungsgleich mit dem bundesweiten Trend, wonach von 1993 – 1999 die Zahl der Feuerbestattungen von 32,5 % auf 40,3 % gestiegen ist.

Gebühren


Wie aus der grafischen Darstellung ersichtlich ist, liegen die Gebühren 2008 auf oder unter dem Niveau des Jahres 1996.

Unabhängig davon, sehen sich Friedhofsträger häufig mit dem Vorwurf konfrontiert, im Vergleich zu anderen Friedhofsträgern hohe Gebühren zu erheben.
Gebührenvergleiche sind grundsätzlich kritisch zu betrachten, da die Kostenstrukturen und Besonderheiten nicht betrachtet werden.
Ein Vergleich von Friedhofsgebühren ist, wie nachstehend erläutert wird, nur bedingt möglich.

 

Öffentliches Grün

Die Kosten der öffentlichen Einrichtung „Friedhof“ sind nur zum Teil über Gebühren zu decken. Der sog. Anteil für das öffentliche Grün wird aus allgemeinen Haushaltsmitteln getragen (siehe auch Erläuterungen in der Vorlage 1641/15).
In Salzgitter beträgt dieser Anteil 15 % der Kosten für die Grabflächen. In vielen Kommunen vergleichbarer Größenordnung beträgt dieser Anteil 20 % bis 30 %.

 

Kostendeckung

Bei den Friedhofsgebühren handelt es sich um Benutzungsgebühren, so dass grundsätzlich eine Kostendeckung von 100 % über Gebühren (mit Ausnahme des Anteils für das öffentliche Grün) möglich ist. Die Möglichkeiten der Kostendeckung werden in Salzgitter im vollen Umfang genutzt.
In vielen Kommunen vergleichbarer Größenordnung liegt der Kostendeckungsgrad nach Abzug des öffentlichen Grüns aber unter 100 %.

Ruhezeiten

In Salzgitter sind Ruhezeiten von 30 Jahre für Erdbestattungen und 20 Jahre für Urnen festgelegt.

Bei anderen Friedhofsträgern sind kürzere Ruhezeiten geregelt, so dass eine vermeintlich geringere Gebühr bei einem Vergleich Gebühr/Jahr eher höher wäre.


Gebührenstruktur


Bei einem Gebührenvergleich werden häufig nur die Gebühren für das Grab und die Beisetzung (Öffnen und Schließen des Grabes) betrachtet.
Bei vielen Friedhofsträgern werden darüber hinaus aber eine Vielzahl von zusätzlichen Gebühren fällig, die in Salzgitter in dieser Form nicht erhoben werden, da diese Leistung bereits mit der Gebühr für die Grabstätte oder für die Beisetzung abgegolten ist.

 

Exemplarisch sind folgende Gebühren genannt: Allgemeine Gebühr aus Anlass der Bestattung, Abfallbeseitigung je Grabstelle, gesonderte Gebühr für die Umrandung des Grabes, Wassergeld, Abräumen des Grabes.

Kalkulationsschema

 

Friedhofsgebühren werden in der Regel mit Hilfe der sog. „Äquivalenzziffern“ kalkuliert. Hierüber wird z. B. das Verhältnis der Gebühr für ein Erdreihengrab zu einem Urnenreihengrab kalkuliert. Durch diese bei den Friedhofsträgern unterschiedliche Verteilung ist durchaus feststellbar, dass bei einem Friedhofsträger für das Erdgrab eine höhere Gebühr, bei einem Urnengrab aber dafür eine geringere Gebühr als bei dem anderen Träger fällig ist.

 

Zusammengefasst sind die Friedhofsgebühren der Stadt Salzgitter im Vergleich zu größeren Städten in Niedersachsen im „Mittelfeld“ platziert.

B         Ausblick auf die nächsten Jahre


Sterbefälle

 

1.) Bundesweite Entwicklung[1]


Der letzte Bevölkerungsjahrgang, der eine ausgeglichene Geburten- und Sterberate hatte, war in Deutschland der Jahrgang 1892. Trotzdem führte die Zuwanderung insgesamt zu einem Bevölkerungszuwachs. Die Bevölkerungsvorausberechnung aus dem Jahre 2006 zeigt, dass sich dieser Trend in Zukunft ändert und langfristig mit einer Abnahme der Bevölkerung gerechnet werden muss. Heute hat Deutschland rund 82,5 Millionen Einwohner.

Auf Grundlage der prognostizierten Geburtenzahlen, Sterbefälle sowie Zuwanderungsraten wird für das Jahr 2050 von einer Bevölkerung von 75 Millionen Einwohnern ausgegangen.

Die Veränderung im Altersaufbau der Bevölkerung ist gravierend. War vor 50 Jahren lediglich jeder Siebte älter als 59, wird im Jahre 2050 jeder Dritte 60 Jahre oder älter sein. Die aktuelle Altersstruktur prägt die Entwicklung der Sterbefälle in den nächsten Jahrzehnten. Der derzeitige leichte Rückgang der Sterbefälle darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass bis zum Jahr 2050 mit einer deutlichen Zunahme gerechnet werden muss, da die stark besetzten Jahrgänge in das hohe Alter hineinwachsen. 2006 sind 818.000 Menschen gestorben, für das Jahr 2050 werden 1.081.000 Sterbefälle, also eine Zunahme von ca. 24 % prognostiziert.

2.) Entwicklung Salzgitter


Dieser generelle bundesweite Trend spiegelt sich nicht in jeder Kommune gleichermaßen wieder. In den Großstädten ist ein kontinuierlicher Rückgang der Sterbefälle deutlich zu spüren, der nicht durch die Bevölkerungsentwicklung bedingt ist, da sich die Orte des Arbeitens, Wohnens und der Freizeit voneinander entfernen.

Auf Basis der vorhandenen statistischen Daten wird für Salzgitter[2] eine stetige Abnahme der Bevölkerung prognostiziert.

Im steigenden Maße wird sich ebenfalls die Altersstruktur verändern.

So wird prognostiziert, dass den Anteil der Bevölkerung Salzgitter ab 60 Jahre von 27,8 % (31.12.2003) auf 32,1 % (31.12.2021) der Gesamtbevölkerung Salzgitters steigt.

Vor dem Hintergrund der für die Stadt Salzgitter prognostizierter demographischer Entwicklung ist auch in Salzgitter mit einer Steigerung der Bestattungszahlen zu rechnen. Ob der bundesweit prognostizierte Prozentsatz erreicht wird, bleibt abzuwarten.


Bestattungsarten

Die Zunahme der Urnenbeisetzungen und die Abnahme der Erdbestattungen sind ein Indiz für die Veränderung der Bestattungskultur.


Auch mögen finanzielle Erwägungen (z. B. Wegfall Sterbegeld aus der Krankenversicherung) diese Veränderungen beschleunigt haben.

 

Die steigende Mobilität der Bürgerinnen und Bürger, mit der Folge, dass Angehörige von Verstorbenen nicht am gleichen Ort wohnen oder der Wunsch der Verstorbenen, die Angehörigen nicht mit der Pflege zu belasten oder das gänzliche Fehlen von Angehörigen lassen das Interesse an pflegeleichten Grabflächen ansteigen.


Die derzeitig angebotenen Grabarten erfüllen die Anforderungen an die Nachfrage.

Der SRB als Friedhofsträger wird aber die weitere Entwicklung genau beobachten, um den Ansprüchen an die Bestattung auch in der Zukunft gerecht werden zu können.
Hierzu ist es unabdingbar, die technisch mögliche georeferenzierte Unterstützung der vorhandenen Friedhofskartei einzuführen. Hierdurch wird eine detaillierte Flächen- und Grabartenplanung unterstützt.

Gebührenhöhe

 

Die Entwicklung der Gebührenhöhe seit 2005 ist als äußerst positiv einzustufen.

Bedingt durch unbeeinflussbare Kostensteigerungen, veränderte Benutzungszahlen, Änderung der Bestattungskultur ist trotz Nutzung von Optimierungspotenzialen eine Gebührensteigerung dauerhaft sicher nicht zu vermeiden.

Insbesondere die geänderte Bestattungskultur und die geänderten Ansprüche an die Bestattung machen Überlegungen zur Gebührenstruktur unabdingbar.

 

Eine geänderte Gebührenstruktur ändert nicht die Summe der durch Gebühren zu deckenden Kosten, bewirkt aber eine geänderte Verteilung auf die einzelnen Nutzungsgruppen.

Beispiele für mögliche Ansatzpunkte wären:

·          Gebühr für vorzeitige Einebnung (der Wunsch, Grabstätten vorzeitig einzuebnen, ist spürbar angestiegen).

·          Separate Gebühr für pflegeleichte Gräber.

·          Überprüfung der Verteilung zwischen Erd- und Urnenbestattungen.

·          Anpassung der Verwaltungsgebühr für Genehmigung eines Grabmals.

 

Die Verwaltung wird im Rahmen einer der nächsten Anpassungen der Friedhofsgebühren (2009 oder 2010) entsprechende Vorschläge unterbreiten.

 

 



[1] Quelle. Statistisches Bundesamt (2006), Bevölkerung Deutschlands bis 2050

[2] Quelle: Demographische Entwicklung in der Stadt Salzgitter, Stand Sept. 2007, Herausg. Stadt SZ